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    Neues Jahr, alter Müll...

    8. Januar 2008

     

    Ja, meine Lieben, es gibt mich noch. Ich hoffe, ihr habt alle wunderschöne und vor allem geruhsame Weihnachtstage verbracht. Euch allen wünsche ich ein tolles Jahr 2008! Ich hoffe, ihr seid gut hineingerutscht und der Neujahrskater ist jetzt endgültig überstanden. Wenn nicht, hab ich einen guten Vorsatz für euch: 2008 unbedingt trinkfester werden! Meine guten Vorsätze für das kommende Jahr lauten wie folgt:

    1.)    mein schriftliches Italienisch verbessern (jetzt, wo das mündliche so langsam in Gang kommt).

    2.)    mich erfolgreich bei der Uni Birmingham um einen Master-Studienplatz für „Shakespeare Studies“ zu bewerben. Oder zumindest die Bewerbungsunterlagen abschicken. Wär ja schon mal ein Anfang…

     

    Was ist seit dem letzten Eintrag passiert? Hmm…ne ganze Menge. Jedenfalls kommt mir die Zeit wesentlich länger vor als nur zwei Wochen. Vor einer halben Ewigkeit habe ich also eine gesamte Woche damit verbracht, mit Achtklässlern Weihnachtsvokabelbingo zu spielen, bis zur Heiserkeit Weihnachtslieder zu singen und Schokolade zu verteilen. Ergebnis: Einige Schüler fangen tatsächlich an, mich als Menschen wahrzunehmen und nicht nur als laufendes Englischlexikon. Von meinem Lieblingsoberstufenkurs habe ich jedenfalls Pralinen geschenkt bekommen (sogar richtig teure!) und ein paar andere Oberstufenschüler haben mich gefragt, ob ich mal mit ihnen abends weggehen will (Diese Anfrage kam allerdings erst nach dem erstaunten Ausruf: „Ey, die spricht ja Italienisch!“ – Ach, Kinder, was denkt ihr eigentlich, was ich seit vier Monaten mache?!).

                Außerdem haben mir dieselben Mädels von Alex, dem letzten Englisch-Assistenten erzählt. Es gab eine Zeit, da konnte ich diesen Namen nicht mehr hören. Am Anfang hat mir nämlich jeder Lehrer von besagtem Alex erzählt. Alex kam aus England und sah angeblich wahnsinnig gut aus. Jedenfalls trauern ihm noch alle Mädels (und wahrscheinlich einige Jungs) aus der Oberstufe hinterher. Demnach hatte er auch keine Probleme, die Aufmerksamkeit der Schüler auf sich zu ziehen. Naja, wie gesagt gab es irgendwann im September eine Zeit, in der ich am liebsten jeden Kollegen und Schüler angebrüllt hätte: „I’m not Alex. Deal with it!“, aber in der Woche vor den Ferien hörte ich dann tatsächlich zum ersten Mal Kritik an diesem Menschen. Z.B. erzählte mir die Kollegin Elisa nebenbei, dass der gute Alex zwar nett, witzig und charmant war, aber seine Stunden nie vorbereitet hat. Ich hingegen beherzige ja seit Jahren das Angela-Merkel-Prinzip: Was dir an optischen Reizen fehlt, musst du durch harte Arbeit ausgleichen. Und ich glaube, so langsam merken die Kollegen den Unterschied. Jedenfalls bekam ich von den Englischlehrern ein Weihnachtsgeschenk überreicht mit einer sehr lieben Karte: „for our hard-working assistant“. – Dankeschön! Und es waren auch nur ganz wenige Grammatikfehler im Kartentext ;) Das Geschenk war übrigens ein Portemonnaie. Hat mich sehr gefreut! Jetzt fehlt mir nur noch der passende Inhalt…

                Jedenfalls war ich trotz allem dankbar, die Schule und Italien mal für zwei Wochen hinter mir zu lassen und nach Deutschland durchzustarten. Durchstarten? – Denkste! Eigentlich sollte ich Freitagabend über München nach Hamburg fliegen. Nachdem wir alle eingecheckt und eine Stunde gewartet hatten, hieß es: „There is bad weather in Munich. The flight has been cancelled.“ (die üblichen Syntax- und Grammatikfehler des italienischen Bodenpersonals fügt ihr bitte selbst ein. Mich deprimiert das zu sehr.). Also: Alle folgen der Stewardess raus aus dem Flughafengebäude, dann wieder rein, um das bereits abgegebene Gepäck wieder abzuholen. Da wir aber zwischenzeitlich das Gebäude für ca. zwei Sekunden verlassen hatten, mussten wir wieder durch die Security-Schlaufe (sprich: Taschen entleeren, Gürtel aus, Laptop raus und einschalten, Schuhe aus etc.). Wer nicht vorher schon terroristisches Gedankengut hegte, ist durch diesen Zirkus sicherlich dazu bekehrt worden. Zumal wir anschließend 2,5 Stunden anstehen durften, um unsere Flüge umzubuchen. Immerhin war’s für mich letztendlich relativ schmerzlos wieder in die Wohnung zu kommen, da Davide sich bereit erklärte, mich abzuholen, und Valentina sowieso gerade dabei war, ein köstliches Essen für alle vorzubereiten. Also wurde mir kurzerhand ein Teller dazugestellt und anschließend ertränkte ich meinen Frust in Rotwein. J

                Am nächsten Morgen ging dann der Marathon los: Neapel-Mailand, Mailand-Frankfurt, Frankfurt-Hamburg. Um neun Uhr morgens hob ich in Neapel ab, und betrat schließlich völlig gerädert um 18:30 Uhr den Flughafen Hamburg. Ganz ehrlich: Ich habe mich noch nie so sehr gefreut, deutschen Boden zu betreten. – Und das Beste: Sie haben trotz mehrfachen Umsteigens mein Gepäck nicht verloren! Leute, es geschehen noch Zeichen und Wunder! Ab sofort glaube ich sogar wieder an den Weihnachtsmann.

                Nachdem dieser Stress überstanden war, haben wir es also letztendlich doch mal wieder geschafft, Weihnachten schön ruhig im Familienkreis zu feiern. Alle haben sich über ihre Geschenke gefreut, es gab keinen Streit und nichts ist abgebrannt. Fazit: Weihnachten 2007 = erfolgreich.

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                Ein paar Tage später ging’s dann mit Sarah, Nadine und Johannes „auf Piste“, nämlich ins Café Keese in Hamburg. Insgesamt ein sehr netter Abend, obwohl (oder vielleicht gerade weil) mir Sarah und Nadine so viel Prosecco eingeflößt haben, dass ich zum Schluss meine Augen nicht mehr fokussieren konnte und nicht mehr so ganz wusste, was ich tat. Egal. Wir hatten Spaß…

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                Zwei Tage später war’s dann allerdings mit dem Spaß vorbei, denn nun kommen wir zum traurigen Teil dieses Eintrags: Am 31.12.2007 ist unser Hund, Peggy, im Alter von 13 Jahren gestorben. Sie war über Weihnachten bereits erkältet und später hieß es dann, sie habe Wasser in der Lunge. Letztendlich ist sie jedoch ganz friedlich und ohne Schmerzen am 30.12. eingeschlafen und einfach nicht mehr aufgewacht. Wir werden sie natürlich wahnsinnig vermissen (immerhin habe ich seit meinem 10. Lebensjahr kein Leben ohne Hund mehr gekannt) und es ist schon jetzt erstaunlich, wie sehr so ein Hund den gesamten Tagesablauf strukturiert. Das wird für meine Mutter in nächster Zeit alles andere als leicht.

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                Nun ja, so war’s also ein recht gedämpfter Start ins neue Jahr, aber wir sind trotzdem irgendwie reingekommen. Am 01.01. dachte ich mir jedenfalls: „Neues Jahr, neues Glück…ähm…oder so“ und begann in einem Anflug von Elan und Tatendrang, die Post der letzten vier Monate durchzugehen. Hierbei stellte ich u.a. fest, dass ich meinem Frisör seit Anfang September einen nicht unerheblichen Geldbetrag schulde: Mein Konto war einen Tag lang nicht gedeckt; der Brief von der Bank kam einen Tag nach meiner Abreise – und das sind so die Momente, in denen mich lange Auslandsaufenthalte richtig ankotzen. Immerhin zeigte sich die Frisörin sehr menschlich („Ach, Sie schulden uns Geld? Wirklich? Sind Sie sicher…?“ – Verdammt. Warum hab ich’s bloß erwähnt?!) und sie haben mir sogar noch mal die Haare geschnitten. Mit recht nettem Ergebnis, wie ich finde:

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    Mit der Frisur könnte ich zur Not auch die Tagesschau moderieren. Nehmen Sie sich in Acht, Frau Hermann: Hier kommt Ihre Nachfolgerin. Jetzt fehlt mir nur noch das hellbraune Gedankengut… ;)

                Im selben Anflug von Elan und Neuanfang begab ich mich Anfang des Jahres auch zum Zahnarzt. Das erste Mal seit sieben Jahren. Denn ich finde, regelmäßige Vorsorge muss sein. Ich war schon auf schlimmste Schmerzen und eine ordentliche Standpauke gefasst, als der Zahnarzt mir in den Mund blickte und sprach: „Sieht gut aus. Zu Zahnstein neigen Sie nicht und die Versiegelungen von vor sieben Jahren sind auch noch da. Ich bin richtig stolz auf uns. Das Einzige, was Sie haben, ist ein Putzschaden am Zahnfleisch. Beim Militär nannte man das Selbstverstümmelung.“ – Fazit: Wenn ich mir bloß eine weichere Zahnbürste anschaffe, kann ich den nächsten Zahnarzttermin getrost für das Jahr 2015 ansetzen.

    So flog ich also ganz beruhigt wieder nach Neapel zurück.

                Und nun zu dem Teil, den ihr seit der Überschrift alle sehnlichst erwartet: die Müllkrise. Ich bekomme nämlich seit meiner Rückkehr pausenlos besorgte E-mails und hämische Nachrichten: „Na? Schon erstunken?“ Ha. Ha. Ha.

    CIMG1341Aaaalso, soweit ich das beurteilen kann, ist es alles nicht so schlimm, wie’s in den ausländischen Medien dargestellt wird. Klar, es ist ein erhebliches Problem und in einigen Gegenden türmt sich der Müll auf erschreckende Weise in den Straßen. Wahr ist auch, dass kein wirkliches Ende des seit 14 Jahren währenden „Notstands“ in Sicht ist, da die Camorra weiterhin illegal giftigen Müll aus dem Norden Italiens auf Neapels Müllkippen deponiert. Die Bewohner der betroffenen Viertel prügeln sich immer mal wieder verzweifelt mit der Polizei. Alle wissen, dass Mülltrennung und Recycling auf lange Sicht die einzige Lösung sind, aber keiner handelt entsprechend. Und mitunter wurde sogar die Armee herbestellt, um den Müll zu beseitigen. All dies ist wahr. ABER: In meiner Gegend hält es sich sehr in Grenzen (wahrscheinlich weil ich so nah an der Schule wohne); es ist noch Keiner an Pest, Cholera oder sonst irgend etwas verreckt; und ich habe noch keine einzige Ratte gesehen. In jedem verdammten Nachrichtenclip, den ich im Internet geguckt habe, war das selbe Bild mit der toten Ratte vor dem riesigen Müllberg zu sehen. Ich weiß nicht, wo sie das her haben. Meine Theorie ist ja, dass sie dieses tote Tier selbst rangeschleppt haben und es immer wieder kunstvoll in Szene setzen („Oh ja, leg sie mal da drüben hin…genau, vor die leeren Plastikflaschen…oh, du, das wird ne tolle Einstellung!“). Naja, immerhin hat mir diese Situation für die gesamte erste Woche ein Unterrichtsthema verschafft. Alle meine Schüler kennen jetzt so überlebenswichtige Vokabeln wie „toxic waste“, „rubbish dump“ und „thermo-nuclear incinerator“. Schreibt euch das hinter die Ohren, Kinder. Könnte irgendwann mal nützlich sein…