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All I want for Christmas is... well, lots of things, really ;-)14. Dezember 2007
Weihnachten steht vor der Tür! Ist das nicht toll? Allen, die meinen, in diesem Ausspruch einen Hauch von Ironie entdeckt zu haben, muss ich eine vehemente Absage erteilen: Emmy, der chronische Weihnachtsmuffel, freut sich dieses Jahr wie ein kleines Kind auf das Fest der Liebe! Keine Ahnung warum, aber ich bin das erste Mal seit Menschengedenken wieder total in Weihnachtsstimmung. (Was Auslandsaufenthalte so alles bewirken können…) Vielleicht liegt es unter anderem daran, dass hier in Italien der Vorweihnachtshype erst Anfang Dezember losgeht, und nicht wie in allen anderen westlichen Ländern mit einem Marzipankartoffel-Schokoweihnachtsmann-Walnuss-Lametta-Christbaumschmuck-Tsunami Anfang September in die Geschäfte schwappt. Natürlich kommt bei strahlend blauem Himmel und Temperaturen über 10 Grad auch keine richtige Weihnachtsstimmung auf. Ich glaube, ich werde nächsten Freitag erstmal schockgefrostet, wenn ich in Hamburg am Flughafen ankomme. Mir bleibt nämlich nur noch eine Woche hier in Neapel und dann hab ich den wahrscheinlich schwierigsten Teil dieses Auslandsaufenthaltes hinter mir. - Wobei die letzten zwei Monate durchaus angenehm waren und das Heimweh sich seit Oktober nicht mehr hat blicken lassen. Bemerkenswertes aus den letzten paar Wochen?… Also, ich war auf einer Pizza Party (jaja, man darf die Klischees ja nicht vernachlässigen). Kim (die Amerikanerin) und ihre sehr nette Mitbewohnerin haben in rauen Mengen selbstgemachte Pizza vorbereitet und dann ca. 30 Leute spontan zum Abendessen eingeladen. Habe nun beschlossen, dass ich die Kunst des neapolitanischen Pizzamachens unbedingt erlernen muss, damit ich wenigstens im Ansatz behaupten kann, ich könne kochen. Nun ja, im Laufe des Abends habe ich viel Italienisch gesprochen und unter anderem auch Tango getanzt, weil Kims Mitbewohnerin einige Jungs aus ihrem Tanzkurs eingeladen hatte. Und das ist auch noch so eine Fähigkeit, die ich gern erlernen würde: so richtig gut Tango tanzen zu können. Leider vergesse ich die Schrittfolge immer wieder, aber zum Glück kann ich mich sehr gut führen lassen. (Jetzt müsste es bloß mehr Männer geben, die tatsächlich führen können…) Anderes Highlight: Ich war letzten Samstag spontan mal in Rom. Habe nämlich festgestellt, dass katholische Gegenden durchaus ihre Vorteile haben, denn letzten Samstag war Mariä Empfängnis (und natürlich glauben wir alle unbedingt an die unbefleckte Empfängnis. Klar. Also, wenn’s dafür schulfrei gibt, bin ich in meinem Glauben durchaus flexibel…). Nun ja, jedenfalls hab ich mir überlegt, dass die ewige Stadt ja nur zwei Zugstunden von Neapel entfernt ist, und dass man wohl kaum ein Jahr in Italien verbringen kann, ohne wenigstens einen Abstecher dorthin zu machen. Also schnell Sarah aus Orvieto kontaktiert (die eigentlich aus Regensburg kommt, und die ich beim Treffen in Florenz kennen gelernt hab) und ihr befohlen, mich am Bahnhof in Empfang zu nehmen. Wie’s der Zufall wollte, hatte sie sowieso vor, das Wochenende mit ihrer japanischen Freundin Marino und mit Marion (aus Hannover, unterrichtet ganz im Süden, in Crotone) in Rom zu verbringen, also haben wir uns zusammen einen sehr schönen Samstag gemacht. Obwohl’s zeitweise geregnet hat, war es doch klasse, endlich mal das Kolosseum, das Forum Romanum und den Trevi-Brunnen hautnah zu sehen. Das beeindruckendste Erlebnis kam gleich zu Anfang unseres Streifzugs: Beim Besichtigen der Basilika Santa Maria Maggiore konnten wir eine traditionelle lateinische Messe miterleben. Das war total ergreifend, vor allem jedes Mal wenn der Chor eingesetzt hat. Hm…schwer zu beschreiben, was das für ein Gefühl war, aber ich hab auf einmal wahnsinnig Lust bekommen, kirchlich zu heiraten – obwohl das natürlich im Bereich des Unmöglichen liegt. Naja, irgendwie muss es sich ja rächen, dass ich völlig religionsfrei aufgewachsen bin. Um noch mal zum Gottesdienst selbst zu kommen: Ich bin ja immer wieder beeindruckt, wie viel Katholiken beim Gottesdienst mitmachen müssen. Irgendwie hat man’s da in der evangelischen Tradition leichter: hinsetzen, Mund halten, wegnicken… Was kann ich noch berichten? Lerne meine Mitbewohner mittlerweile immer besser kennen. Donnerstagabend ergab sich z.B. spontan ein gemütlicher WG-Abend. Man nehme: eine riesige Portion Spaghetti carbonara, ein leicht angebranntes Schokoladen-Fondue, eine 4-Liter Rotweinflasche sowie eine Flasche Ballantine’s Finest Scotch Whiskey So, Freunde der Sonne…alle, die sich nur kurz darüber informieren wollten, was ich in letzter Zeit angestellt habe, können an dieser Stelle getrost aufhören weiterzulesen. Aber neulich beim Weihnachtskartenschreiben dachte ich, es sei doch mal an der Zeit, einen Jahresrückblick zu wagen. Keine Ahnung, ob das für euch interessant ist oder nicht, aber schließlich ist es mein Blog und somit entscheide ich, was ich der Cyber-Community zumute. So, here goes.
2007 – Drei Länder, drei Theaterproduktionen, eine Emmy, viel Arbeit(und ein bisschen Alkohol…)
Die erste Herausforderung kam im Februar, als ich mit meinem Shakespeare Kurs einen Ausschnitt aus „Viel Lärm um Nichts“ zur Bewertung präsentieren musste. Für alle, die das Stück kennen: Ich habe eine Figur gespielt, die von Shakespeare während der Schreibphase gestrichen wurde. Es handelt sich um Heros Mutter, Innogen. Und in unserem Ausschnitt ging es darum Familienkonstellationen im Stück zu erforschen und herauszufinden, wie sehr sich stumme Rollen auf die Handlung auswirken können. (Ende des langweiligen akademischen Exkurses.) In der Praxis heißt das: Die meiste Zeit habe ich damit verbracht, meinen Mann zu ignorieren und mit meiner Tochter über andere Figuren herzuziehen. Eine durch und durch sympathische Rolle also. (Und wenn jetzt wieder irgendwer sagt: „Du hast dich selbst gespielt!“, muss ich euch leider auf der Stelle erschießen.)
Hier also Emmy als Innogen mit nervigem Ehemann: …und mit gehässiger Tochter:
Während der Probenphase für dieses Stück musste ich übrigens auch noch zweimal die Woche zum Chor und mindestens dreimal die Woche für mehrere Stunden zur Operettenprobe, also hab ich mich Anfang des Jahres spontan mal dreigeteilt und nun ist Vieles einfacher. Das nächste Highlight war unumstritten die Aufführung unserer Operette „Iolanthe“ (Gilbert & Sullivan), zu deren Premiere nicht nur meine Mom, sondern auch meine beiden Schwestern es geschafft haben zu erscheinen, was mir wirklich sehr viel bedeutet hat. Die Handlung werde ich an dieser Stelle nicht zusammenfassen. Grob gesagt geht es um Feen und die Liebe. Hier also ein paar Einblicke in die Aufführung:
Emmy als rote Fee in Aktion: …bzw. bei den Proben: …a bissl was aus dem Backstage-Bereich: …meine Mitbewohnerin, Katy. - Regisseurin und treibende Kraft des Ganzen: …und natürlich wäre keine Produktion vollständig ohne besoffene Fotos von der Aftershow-Party:
Nach diesem Höhenflug kam im April eine unsanfte Landung, denn es hieß: Arbeit, Arbeit, Arbeit – da ich alle meine Abschlussarbeiten am 1. Mai abgeben musste. Ein Lyrikprojekt und vier Essays. Innerhalb von drei Wochen zu erstellen.
In der Endphase sah das so aus: Und nach Abgabe wurde natürlich erstmal ausgiebig gefeiert:
Es folgte ein Monat des seeligen Nichtstuns (allerdings bei miesem Wetter). Naja, also seeliges Nichtstun heißt: Mutter ruft Anfang Mai an - eine ihrer Schülerinnen aus der Drama Group ist ausgefallen. Ob ich nicht einspringen könne. Es sei auch nur eine ganz kleine Nebenrolle. Also lasse ich mir den Text schicken, lerne ihn auswendig und fliege Ende Mai für eine Woche nach Deutschland. Montag: Einzelprobe - Emmys zwei Szenen mit Gerrit; Dienstag: Kullisse aufbauen, Scheinwerfer montieren und ausrichten, anschließend Generalprobe; Mittwoch: Premiere; Donnerstag und Freitag: weitere Aufführungen. Obwohl's eine sehr stressige Woche war, hat das Ganze wahnsinnig Spaß gemacht, weil mich die Truppe von Anfang an super integriert hat und alle mit angepackt haben, wenn Not am Mann war. Letztendlich habe ich nur einmal meinen Text vergessen (und werde immer noch jedes Mal damit aufgezogen, wenn ich das Gymnasium Winsen betrete und mir Ex-Drama Group Mitglieder über den Weg laufen Hier also Emmy als Dorothy, die nervige Cousine vom Lande:
Nach dieser kleinen Tour de force ging es dann am Sonntagabend zurück nach England, damit ich am Montagmorgen meinen TEFL-Kurs (Teaching English as a Foreign Language) beginnen konnte – und noch härter als je zuvor arbeiten musste. Ganz ehrlich: Ich hätte nicht gedacht, dass ich es schaffen würde, vier Wochen lang mit durchschnittlichen vier Stunden Schlaf pro Nacht auszukommen, aber irgendwie ging’s. Allerdings sind die Augenringe auf allen Fotos aus dieser Zeit deutlich zu erkennen und die lächerlichen 2-3 Aktenordner pro Nase vermitteln nicht mal annähernd einen präzisen Eindruck des tatsächlichen Arbeitspensums:
Allerdings muss ich zugeben, dass dieser Kurs mich unheimlich gut auf meine Aufgabe hier in Italien vorbereitet hat, sodass ich mich heutzutage furchtlos vor eine fremde Klasse stellen kann und sogar komplette Unterrichtsstunden innerhalb von Sekunden aus dem Ärmel schütteln kann.
Meinen 23. Geburtstag habe zusammen mit meinem Freund René ausgiebig gefeiert, da wir beide am selben Tag Geburtstag haben:
Absolutes Highlight des Sommers war natürlich meine „Graduation“. Das Essay-Schreiben hat sich nämlich insofern gelohnt, als meine Dozenten mich tatsächlich für würdig befunden haben, den Status des „Bachelor of Arts“ zu erhalten. Insgesamt war’s ein wunderschöner Tag, und wieder einmal hat mich meine Familie beeindruckt, indem sie vollzählig erschienen ist. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an alle! Und falls ihr immer noch nicht genug Hut-und-Roben-Fotos gesehen habt. Hier sind sie: Hier übrigens mit Emma, einer meiner Theaterdozentinnen: …und damit auch jeder weiß, dass ich „Drama“ studiert hab: Es folgten noch zwei Benefizauftritte beim Roten Kreuz mit einer Fraktion meines heißgeliebten Chors "Absolute Harmony":
Tja und dann ging das ewige Kistenpacken und Durch-halb-Europa-Umziehen los ( - übrigens einer der Tiefpunkte des Jahres. Kann mich immer noch nicht entscheiden, was ich mehr hasse; das Kistenpacken oder das Abschiednehmen.). Während meines kurzen Heimaturlaubs erlaubte ich mir unter anderem im August mit Sarah einen kurzen Abstecher nach Hamburg zum Christopher Street Day. Zu sehen hier:
Nun ja, und Anfang September war dann Kofferpacken und Wieder-durch-halb-Europa-Umziehen angesagt ( - erkennen wir hier so langsam ein Muster…?). Den restlichen Jahresrückblick erspare ich euch, denn an dieser Stelle hab ich schließlich angefangen, euch regelmäßig per Bloggeschwafel zuzusülzen (also könnten die ganz Enthusiastischen unter euch theoretisch anfangen, den gesamten Blog noch mal von vorne zu lesen…).
Was war noch 2007? Ach, sowohl Anne Will als auch Jodie Foster haben sich im Laufe des Jahres öffentlich geoutet. All in all it’s been a great year for us!
Für alle, die sich tapfer bis hierhin durchgeschlagen haben, hier eine kleine Belohnung – verbunden mit einem lieben Gruß an meine Schwestern, Jenny und Lindsay! (WARNING to members of the Oliver-Family: this may not be suitable for watching at work, as you are quite likely to burst out laughing in a very embarrassing manner…).
http://www.elfyourself.com/?id=1387457292 Ich wünsche euch allen ein wunderschönes Weihnachtsfest, wo immer ihr es auch verbringen mögt, und natürlich alles, alles Liebe und Gute für das neue Jahr. Auf dass all eure Wünsche in Erfüllung gehen mögen! |
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