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日志


    Sommer vorm Balkon

    17. Juni 2008

     

    Der Sommer ist da! Juhu! Und zwar mit voller Wucht. Soll heißen: jeden Tag strahlend blauer Himmel und ca. 30 Grad. Und das Beste daran? Ich habe endlich mal Zeit, dieses Wetter zu genießen! Momentan sitze ich übrigens im Zug nach Venedig, um mich dort meiner Chaos-Chorfahrt anzuschließen. Aber bevor dieses Erlebnis über mich hereinbricht, wollte ich noch einmal die Ereignisse der letzten Wochen Revue passieren lassen. Aaalso…

     

    Trinity – oder: Unheimliche Begegnung der dritten Art

     

    Im letzten Eintrag hatte ich ja von den bevorstehenden Prüfungen gesprochen. Nun ja, sie sind alle irgendwie über die Bühne gegangen. Nachdem meine Kollegen mir schon alle möglichen Horrorstorys von der externen Englischprüferin erzählt hatten („È molto precisa. Non è italiana.“ – Sprich: Sie fängt gern pünktlich an.), lernte ich sie schließlich persönlich kennen, als ich zwei Nachmittage lang Aufsicht im Gang führen durfte. Diese zwei Nachmittage brauchte ich auch, um herauszufinden, wie genau die gute Frau denn heißt. Sie stellte sich mir nämlich folgendermaßen vor:

     

    Prüferin: „Hello, I’m Jane Eyre.“

    Emmy: „Hi. Nice to meet you.“

    (Derweil spielt mein innerer Monolog mal wieder verrückt. – „Jane Eyre?! Moment…da kenn ich noch eine. Kommen Sie zufällig aus Yorkshire? Und haben Sie einen Kerl geheiratet, der ungefähr doppelt so alt ist wie Sie? Dann passen Sie bloß auf, dass sie keine Streichhölzer rumliegen lassen. Sonst fackelt nämlich seine geistesgestörte Ex das Haus ab!“ – Und. So. Weiter.)

    Währenddessen hat sie mir wahrscheinlich irgendwas wahnsinnig Wichtiges über die Prüfungen erzählt, aber ich hab’s (verständlicherweise) nicht mitbekommen. Nun ja, nach zwei Tagen des Kopfzerbrechens („Wer nennt seine Tochter bitte Jane Eyre??!“) bekam ich schließlich einen offiziellen Wisch mit ihrem Namen drauf zu sehen. Man lese und staune: JANIA heißt sie. Ach so. Wie Janina ohne N. Hätte sie ja auch gleich sagen können.

    Prüfungstechnisch war in meiner Gruppe soweit alles in Ordnung. Ein Einziger meiner Schüler ist durchgefallen – dafür hat eine andere Schülerin mit Auszeichnung bestanden. Alle anderen haben’s ganz normal gemeistert. In meinem mathematisch unbegabten Hirn ergibt das plus-minus Null. Und wenn ich ganz großes Glück habe, werde ich irgendwann in den nächsten 20 Jahren sogar von der Schule für meine hochqualifizierten Sprachstunden bezahlt.

    Das Nette an der Nachmittagsaufsicht war, dass ich endlich mal Zeit hatte, außerhalb des Unterrichts mit meinen Schülern auf italienisch zu reden und sie ein bisschen kennen zu lernen. Das Dumme an meiner strikten „Wir sprechen im Unterricht nur Englisch“-Politik ist nämlich leider, dass die meisten Schüler sich wirklich nur an den Unterrichtsstoff halten und man nie irgendwas Persönliches über sie erfährt. – Aber genug gemeckert. Es folgte nämlich ein recht spontanes Wochenende in…

     

    Bari – „Ladies and Gentlemen, please take off your phones…“

     

    Es begab sich nämlich zu der Zeit, dass meine Bayreuth-Freundin Antje (die eigentlich aus Wilhelmshaven kommt und anschließend in Leicester „Arts Management & Dance“ studiert hat) mir per StudiVz mitteilte, dass sie als Choreografin auf dem Festival junger Künstler in Bari ihre Abschlussarbeit präsentieren würde. Da Bari nur drei Zugstunden von Neapel entfernt liegt und ich Antje seit fast vier Jahren nicht mehr gesehen hatte, beschloss ich, mich den jungen Künstlern ein Wochenende lang anzuschließen. Ein überaus vorteilhafter Beschluss, wie sich herausstellen sollte. Das gesamte Wochenende stand nämlich unter dem Motto: „Wie beute ich möglichst viele europäische Kunstsponsoren gleichzeitig aus?“

     

    -         Beispiel 1: Antjes Hotelzimmer wird vom Arts Council England bezahlt. Emmy schläft als „blinder Passagier“ zwei Nächte im selben Bett und labt sich morgens unbehelligt am Frühstücksbuffet.

    -         Beispiel 2: Alle teilnehmenden Künstler können kostenlos alle Transportmittel der Stadt nutzen. Da wir in Italien sind, kontrolliert keiner die Teilnehmerpässe. Ergebnis: Emmy zahlt auch hier nix. Gleiches gilt für den Eintritt in die Biennale.

    -         Beispiel 3: Alle Künstler bekommen kostenlose Essensmarken für Mittag- und Abendessen auf dem Ausstellungsgelände. Da wir in Italien sind, beinhaltet das einen „primo piatto“ (Nudeln) und einen „secondo piatto“ (Fleisch, denn Vegetarier haben’s in diesem Land echt schwer). Da Antje Vegetarierin ist, überlässt sie mir großzügig ihren Hauptgang, sodass ich auch für Essen keinen Pfennig ausgeben muss.

     

    Und so kam es, dass ich ein sehr nettes Wochenende mit Antje, ihren fünf Tänzerinnen und ihrem Komponisten verbringen durfte und mir gleichzeitig alle möglichen zeitgenössischen Kunstprojekte reinziehen konnte (wobei mich Antjes Choreografie sehr beeindruckt hat. Zu sehen übrigens hier: http://www.ukyoungartists.co.uk/artists.html). Außerdem wurden wir am zweiten Abend alle von Antjes Uni-Tutoren zum Essen eingeladen. Immerhin konnte ich mein schlechtes Gewissen über diese unverdiente Großzügigkeit etwas beruhigen, indem ich mich als Dolmetscherin nützlich machte. Alles in allem ein gelungenes Wochenende. – Thanks, Antcha!

     

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    Nach meiner Rückkehr von der Adria-Küste war eine Woche lang Strand und Party angesagt. Zunächst war ich mit Nathan, Martina und Alison in La Gaiola, einer felsigen Bucht in Neapel, in der man sehr schön baden kann.

     

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    Hier trafen wir auch zufällig Mery, die Freundin von Nathans Mitbewohner Fabio. Diese Beiden schlugen uns ein paar Tage später vor, mit ihnen zu einem Konzert am Strand zu fahren. Nach einer kleinen Irrfahrt durch die neapolitanische Peripherie erreichten wir schließlich den richtigen Strandclub und es stellte sich heraus, dass wir auf einem Techno-Konzert des Londoner Duos „Too Many DJs“ gelandet waren. Ja, richtig, Emmy hat einen ganzen Abend lang Techno gehört. Und am Strand dazu getanzt. Rückkehr gegen 6 Uhr morgens.

     

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    Am nächsten Abend trafen wir uns alle bei Alison, um sie und Martina mit einer ordentlichen Party zu verabschieden. Eine bunte Mischung aus Italienern, Briten und Amerikanern begab sich in den Club „L’Arenile“, wo wieder die ganze Nacht lang durchgetanzt wurde. Diesmal allerdings zu 80er und 90er Musik – sprich: Emmy konnte mitsingen Wink. Rückkehr gegen 8 Uhr morgens (während Ali und Paolo auf dem Balkon eingenickt waren).

     

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    Kaum 12 Stunden später versammelten wir uns alle schon wieder bei Nathan, um mit seinen Mitbewohnern in den kleinen Ort Somma Vesuviana zu fahren, wo jedes Jahr am 31. Mai die „Festa della Tammorra“ gefeiert wird. Die Tammorra ist ein großes Tamburin und bei diesem Fest handelt es sich um eine Art „Tanz in den Juni“ mit viel traditioneller süditalienischer Musik, Gesang, Tanz, Kastagnetten und köstlichen einheimischen Produkten, die überall verkauft wurden (z.B. 1 Becher Rotwein = 50 Cent). – Ein wirklich wunderschöner Abend, der mir noch lange in Erinnerung bleiben wird.

     

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    Am nächsten Tag hieß es dann Abschiednehmen von Martina. Aus diesem Anlass hatten wir uns alle vorgenommen, in altenglischer Kolonialmanier ein schönes Picknick in der Villa Communale (einem der wenigen Parks von Neapel) zu veranstalten. Allerdings fing es während des Picknicks immer wieder an leicht zu nieseln, sodass wir schließlich beschlossen, Martinas letzte Stunden in Neapel auf ihrem Bett zu verbringen und Disneys „Aladdin“ zu gucken (wobei sich herausstellte, dass Nathan jedes einzelne Lied mitsingen kann Open-mouthed).

     

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    Tja, da waren’s nur noch vier in unserer Exil-Clique. Ein paar Tage später reiste dann auch noch Alison ab. Jetzt bin ich als Britin in der Minderheit und lege mir so langsam wieder einen amerikanischen Akzent zu.

     

    Abschiednehmen war übrigens auch in der Schule angesagt. Tag für Tag sah ich eine Klasse nach der anderen zum letzten Mal und ich muss sagen, das Ganze ist mir näher gegangen, als ich gedacht hätte. Irgendwie hat man sie dann doch am Ende lieb. Und sie mich anscheinend auch ein bisschen. Einige Klassen waren nämlich wirklich süß. So habe ich zum Beispiel von Valerias 8. Klasse eine neapolitanische Espressokanne geschenkt bekommen, damit ich nie wieder schlechten Kaffee trinken muss.

    Hier ein paar Fotos von meiner süßen 2A:

     

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    Und diverse Klassen haben mich zum Jahresabschlusspizzaessen mit allen Lehrern eingeladen. So auch mein Lieblingsoberstufenkurs, der mir bei dieser Gelegenheit einen Satz Espressotassen geschenkt hat. Dieser Kurs ist mir wirklich ans Herz gewachsen und ich hatte zum Schluss den Eindruck, dass sie viel gelernt haben und tatsächlich dankbar waren für die geleistete Arbeit.

     

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    Loredanas 8. Klasse begrüßte mich in der letzten Stunde mit einer selbstgebackenen Nutella-Torte (die Nutella-Passiv-Stunde hat sich also doch gelohnt!) und einer sehr lieben Abschiedskarte.

     

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    Und meine lieben Kleinen aus Angelas achter Klasse kamen am Ende der letzten Stunde alle an, um mich einzeln in den Arm zu nehmen. Da musste ich dann doch arg schlucken.

     

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    Übrigens hatte ich Valeria für unsere letzte gemeinsame Stunde vorgeschlagen, den lieben Kindern ein bisschen Deutsch beizubringen, was sie begeistert aufnahm. Ich durfte also eine Stunde lang Sätze wie „Ich heiße Emily. Ich komme aus Hamburg. Ich bin 23 Jahre alt.“ wiederholen, wobei ich feststellen musste, dass die deutsche Aussprache für Italiener wesentlich einfacher zu meistern ist als die englische. Nach diesem Erfolgserlebnis betrat ich also am nächsten Tag voller Elan die Schule, um die Klasse der Kollegin Barbara mit einer weiteren Fremdsprache zu beglücken. Diese Klasse unterscheidet sich allerdings von Valerias insofern als sie sich weder 2 Sekunden lang konzentrieren, noch zuhören, noch diszipliniert mitmachen kann. Irgendwann wurde mir das Ganze zu bunt und ich brüllte aus voller Kehle: „RUHE!!! ES REICHTTTT!!!!“ Da starrten mir auf einmal 25 angsterstarrte Achtklässlergesichter entgegen, die sich gerade in einem Kriegsfilm glaubten. In meinem Kopf sang es derweil: „I’ve got the power!“ – Fazit: Ich liebe die deutsche Sprache.

     

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              Für alle meine Klassen hatte ich außerdem zum Abschluss einen Fragebogen auf englisch vorbereitet, in dem sie meine Stunden bewerten und ein bisschen über das vergangene Jahr reflektieren sollten. Viele Schüler haben sich wirklich Gedanken gemacht und interessante (wenn auch grammatikalisch katastrophale) Sachen aufgeschrieben. Einige Schüler haben auch sehr charmant herumgeschleimt.

     

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    Mein absoluter Favorit unter den Feedback-Bögen war allerdings ein Oberstufenschüler, der auf dem ganzen Blatt nur eine einzige Frage beantwortet hat.

     

    Frage: If you were me, what would you have done differently?

    Antwort: I would have worn less.

     

    Fazit: Ich hätte doch während des Trinity-Kurses auf den Rat meiner Freundin Nicola hören sollen: „There are two ways of giving a kick-arse English lesson. Make a detailed lesson plan, prepare engaging materials, practice the lesson the day before, give yourself plenty of sleep and enter the class with an enthusiastic smile. – Alternatively, wear a low-cut dress.“

     

    Ach, und natürlich habe ich auch in dieser Woche meine letzten Privatstunden gegeben. Zum Beispiel bei Ricci und Margherita:

     

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    …und bei Angelica und ihrem Cousin Francesco (Kiko):

     

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    - Wie süß können diese Kinder bitte gucken?!

     

    Gleich nach meinem letzten Schultag bekam ich auch schon wieder Besuch, diesmal von meinem Vater. Obwohl er nur drei Tage hier war, haben wir es doch geschafft ein recht ansehnliches Spektrum an Aktivitäten abzudecken – von Trümmergucken in Pompeji bis zur Bootsfahrt in der blauen Grotte von Capri. Und da das Wetter sehr schön mitgespielt hat, gibt es von diesen Tagen ein paar wunderschöne Fotos. Bittesehr:

     

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    PS: Wer erkennt das Kunstzitat in folgendem Bild? (Ich nenne es: "Texter überm Mittelmeer")

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    Oh, und wo wir gerade bei schönen Fotos sind…

     

    Trekking sui due golfi

     

    Letztes Wochenende machte ich mich mit Kim, Nate, Matt und Brett (zwei weiteren Fullbright-Amerikanern) auf zu einer Wanderung an der Amalfiküste. Wir haben unter anderem den Punkt erklommen, von dem aus man gleichzeitig den Golf von Neapel und den Golf von Sorrento sehen kann, bevor es in einem teilweise recht haarsträubenden Parcours bergab zu der entlegenen Bucht „Baia d’Iervante“ ging. Dort genehmigten wir uns ein wohlverdientes Mittagessen aus typischen Campania-Produkten (Brot aus Matts Nachbarsbäckerei mit Büffelmozzarella und Pecorino, gefolgt von frischen Orangen) und verbrachten den Rest des Tages damit, Kim ins Wasser zu locken („Komm rein, ist total erfrischend!“ „Leute, ich bin am Golf von Mexiko aufgewachsen. Und ich sage euch, dieses Wasser ist EISKALT!“). Schließlich ging es wieder steil bergauf und dann per Bus nach Sorrento, wo wir uns alle erstmal ein Rieseneis bestellten. Obwohl es teilweise extrem anstrengend war, wird diese Wanderung als echtes Highlight meines Jahres in Italien in Erinnerung bleiben. Ach, und außerdem habe ich beschlossen, dass ich irgendwann mal meine Flitterwochen an der Amalfiküste verbringen will. Es ist und bleibt für mich das Paradies auf Erden.

     

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    Emmy mit Italienflagge:CIMG2900

    Der kleine Fleck dort oben bin übrigens ich: CIMG2901CIMG2902CIMG2903CIMG2906CIMG2909CIMG2910CIMG2912CIMG2924CIMG2926CIMG2929CIMG2931CIMG2937CIMG2946CIMG2947CIMG2948

     

    So, das war's erstmal. Die nächsten Neuigkeiten kommen dann aus Venedig! Smile

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