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The Art of Losing...because I never stay in one place long enough. |
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Sommer vorm Balkon17. Juni 2008
Der Sommer ist da! Juhu! Und zwar mit voller Wucht. Soll heißen: jeden Tag strahlend blauer Himmel und ca. 30 Grad. Und das Beste daran? Ich habe endlich mal Zeit, dieses Wetter zu genießen! Momentan sitze ich übrigens im Zug nach Venedig, um mich dort meiner Chaos-Chorfahrt anzuschließen. Aber bevor dieses Erlebnis über mich hereinbricht, wollte ich noch einmal die Ereignisse der letzten Wochen Revue passieren lassen. Aaalso…
Trinity – oder: Unheimliche Begegnung der dritten Art
Im letzten Eintrag hatte ich ja von den bevorstehenden Prüfungen gesprochen. Nun ja, sie sind alle irgendwie über die Bühne gegangen. Nachdem meine Kollegen mir schon alle möglichen Horrorstorys von der externen Englischprüferin erzählt hatten („È molto precisa. Non è italiana.“ – Sprich: Sie fängt gern pünktlich an.), lernte ich sie schließlich persönlich kennen, als ich zwei Nachmittage lang Aufsicht im Gang führen durfte. Diese zwei Nachmittage brauchte ich auch, um herauszufinden, wie genau die gute Frau denn heißt. Sie stellte sich mir nämlich folgendermaßen vor:
Prüferin: „Hello, I’m Jane Eyre.“ Emmy: „Hi. Nice to meet you.“
(Derweil spielt mein innerer Monolog mal wieder verrückt. – „Jane Eyre?! Moment…da kenn ich noch eine. Kommen Sie zufällig aus Yorkshire? Und haben Sie einen Kerl geheiratet, der ungefähr doppelt so alt ist wie Sie? Dann passen Sie bloß auf, dass sie keine Streichhölzer rumliegen lassen. Sonst fackelt nämlich seine geistesgestörte Ex das Haus ab!“ – Und. So. Weiter.) Währenddessen hat sie mir wahrscheinlich irgendwas wahnsinnig Wichtiges über die Prüfungen erzählt, aber ich hab’s (verständlicherweise) nicht mitbekommen. Nun ja, nach zwei Tagen des Kopfzerbrechens („Wer nennt seine Tochter bitte Jane Eyre??!“) bekam ich schließlich einen offiziellen Wisch mit ihrem Namen drauf zu sehen. Man lese und staune: JANIA heißt sie. Ach so. Wie Janina ohne N. Hätte sie ja auch gleich sagen können. Prüfungstechnisch war in meiner Gruppe soweit alles in Ordnung. Ein Einziger meiner Schüler ist durchgefallen – dafür hat eine andere Schülerin mit Auszeichnung bestanden. Alle anderen haben’s ganz normal gemeistert. In meinem mathematisch unbegabten Hirn ergibt das plus-minus Null. Und wenn ich ganz großes Glück habe, werde ich irgendwann in den nächsten 20 Jahren sogar von der Schule für meine hochqualifizierten Sprachstunden bezahlt. Das Nette an der Nachmittagsaufsicht war, dass ich endlich mal Zeit hatte, außerhalb des Unterrichts mit meinen Schülern auf italienisch zu reden und sie ein bisschen kennen zu lernen. Das Dumme an meiner strikten „Wir sprechen im Unterricht nur Englisch“-Politik ist nämlich leider, dass die meisten Schüler sich wirklich nur an den Unterrichtsstoff halten und man nie irgendwas Persönliches über sie erfährt. – Aber genug gemeckert. Es folgte nämlich ein recht spontanes Wochenende in…
Bari – „Ladies and Gentlemen, please take off your phones…“
Es begab sich nämlich zu der Zeit, dass meine Bayreuth-Freundin Antje (die eigentlich aus Wilhelmshaven kommt und anschließend in Leicester „Arts Management & Dance“ studiert hat) mir per StudiVz mitteilte, dass sie als Choreografin auf dem Festival junger Künstler in Bari ihre Abschlussarbeit präsentieren würde. Da Bari nur drei Zugstunden von Neapel entfernt liegt und ich Antje seit fast vier Jahren nicht mehr gesehen hatte, beschloss ich, mich den jungen Künstlern ein Wochenende lang anzuschließen. Ein überaus vorteilhafter Beschluss, wie sich herausstellen sollte. Das gesamte Wochenende stand nämlich unter dem Motto: „Wie beute ich möglichst viele europäische Kunstsponsoren gleichzeitig aus?“
- Beispiel 1: Antjes Hotelzimmer wird vom Arts Council England bezahlt. Emmy schläft als „blinder Passagier“ zwei Nächte im selben Bett und labt sich morgens unbehelligt am Frühstücksbuffet. - Beispiel 2: Alle teilnehmenden Künstler können kostenlos alle Transportmittel der Stadt nutzen. Da wir in Italien sind, kontrolliert keiner die Teilnehmerpässe. Ergebnis: Emmy zahlt auch hier nix. Gleiches gilt für den Eintritt in die Biennale. - Beispiel 3: Alle Künstler bekommen kostenlose Essensmarken für Mittag- und Abendessen auf dem Ausstellungsgelände. Da wir in Italien sind, beinhaltet das einen „primo piatto“ (Nudeln) und einen „secondo piatto“ (Fleisch, denn Vegetarier haben’s in diesem Land echt schwer). Da Antje Vegetarierin ist, überlässt sie mir großzügig ihren Hauptgang, sodass ich auch für Essen keinen Pfennig ausgeben muss.
Und so kam es, dass ich ein sehr nettes Wochenende mit Antje, ihren fünf Tänzerinnen und ihrem Komponisten verbringen durfte und mir gleichzeitig alle möglichen zeitgenössischen Kunstprojekte reinziehen konnte (wobei mich Antjes Choreografie sehr beeindruckt hat. Zu sehen übrigens hier: http://www.ukyoungartists.co.uk/artists.html). Außerdem wurden wir am zweiten Abend alle von Antjes Uni-Tutoren zum Essen eingeladen. Immerhin konnte ich mein schlechtes Gewissen über diese unverdiente Großzügigkeit etwas beruhigen, indem ich mich als Dolmetscherin nützlich machte. Alles in allem ein gelungenes Wochenende. – Thanks, Antcha!
Nach meiner Rückkehr von der Adria-Küste war eine Woche lang Strand und Party angesagt. Zunächst war ich mit Nathan, Martina und Alison in La Gaiola, einer felsigen Bucht in Neapel, in der man sehr schön baden kann.
Hier trafen wir auch zufällig Mery, die Freundin von Nathans Mitbewohner Fabio. Diese Beiden schlugen uns ein paar Tage später vor, mit ihnen zu einem Konzert am Strand zu fahren. Nach einer kleinen Irrfahrt durch die neapolitanische Peripherie erreichten wir schließlich den richtigen Strandclub und es stellte sich heraus, dass wir auf einem Techno-Konzert des Londoner Duos „Too Many DJs“ gelandet waren. Ja, richtig, Emmy hat einen ganzen Abend lang Techno gehört. Und am Strand dazu getanzt. Rückkehr gegen 6 Uhr morgens.
Am nächsten Abend trafen wir uns alle bei Alison, um sie und Martina mit einer ordentlichen Party zu verabschieden. Eine bunte Mischung aus Italienern, Briten und Amerikanern begab sich in den Club „L’Arenile“, wo wieder die ganze Nacht lang durchgetanzt wurde. Diesmal allerdings zu 80er und 90er Musik – sprich: Emmy konnte mitsingen
Kaum 12 Stunden später versammelten wir uns alle schon wieder bei Nathan, um mit seinen Mitbewohnern in den kleinen Ort Somma Vesuviana zu fahren, wo jedes Jahr am 31. Mai die „Festa della Tammorra“ gefeiert wird. Die Tammorra ist ein großes Tamburin und bei diesem Fest handelt es sich um eine Art „Tanz in den Juni“ mit viel traditioneller süditalienischer Musik, Gesang, Tanz, Kastagnetten und köstlichen einheimischen Produkten, die überall verkauft wurden (z.B. 1 Becher Rotwein = 50 Cent). – Ein wirklich wunderschöner Abend, der mir noch lange in Erinnerung bleiben wird.
Am nächsten Tag hieß es dann Abschiednehmen von Martina. Aus diesem Anlass hatten wir uns alle vorgenommen, in altenglischer Kolonialmanier ein schönes Picknick in der Villa Communale (einem der wenigen Parks von Neapel) zu veranstalten. Allerdings fing es während des Picknicks immer wieder an leicht zu nieseln, sodass wir schließlich beschlossen, Martinas letzte Stunden in Neapel auf ihrem Bett zu verbringen und Disneys „Aladdin“ zu gucken (wobei sich herausstellte, dass Nathan jedes einzelne Lied mitsingen kann
Tja, da waren’s nur noch vier in unserer Exil-Clique. Ein paar Tage später reiste dann auch noch Alison ab. Jetzt bin ich als Britin in der Minderheit und lege mir so langsam wieder einen amerikanischen Akzent zu.
Abschiednehmen war übrigens auch in der Schule angesagt. Tag für Tag sah ich eine Klasse nach der anderen zum letzten Mal und ich muss sagen, das Ganze ist mir näher gegangen, als ich gedacht hätte. Irgendwie hat man sie dann doch am Ende lieb. Und sie mich anscheinend auch ein bisschen. Einige Klassen waren nämlich wirklich süß. So habe ich zum Beispiel von Valerias 8. Klasse eine neapolitanische Espressokanne geschenkt bekommen, damit ich nie wieder schlechten Kaffee trinken muss. Hier ein paar Fotos von meiner süßen 2A:
Und diverse Klassen haben mich zum Jahresabschlusspizzaessen mit allen Lehrern eingeladen. So auch mein Lieblingsoberstufenkurs, der mir bei dieser Gelegenheit einen Satz Espressotassen geschenkt hat. Dieser Kurs ist mir wirklich ans Herz gewachsen und ich hatte zum Schluss den Eindruck, dass sie viel gelernt haben und tatsächlich dankbar waren für die geleistete Arbeit.
Loredanas 8. Klasse begrüßte mich in der letzten Stunde mit einer selbstgebackenen Nutella-Torte (die Nutella-Passiv-Stunde hat sich also doch gelohnt!) und einer sehr lieben Abschiedskarte.
Und meine lieben Kleinen aus Angelas achter Klasse kamen am Ende der letzten Stunde alle an, um mich einzeln in den Arm zu nehmen. Da musste ich dann doch arg schlucken.
Übrigens hatte ich Valeria für unsere letzte gemeinsame Stunde vorgeschlagen, den lieben Kindern ein bisschen Deutsch beizubringen, was sie begeistert aufnahm. Ich durfte also eine Stunde lang Sätze wie „Ich heiße Emily. Ich komme aus Hamburg. Ich bin 23 Jahre alt.“ wiederholen, wobei ich feststellen musste, dass die deutsche Aussprache für Italiener wesentlich einfacher zu meistern ist als die englische. Nach diesem Erfolgserlebnis betrat ich also am nächsten Tag voller Elan die Schule, um die Klasse der Kollegin Barbara mit einer weiteren Fremdsprache zu beglücken. Diese Klasse unterscheidet sich allerdings von Valerias insofern als sie sich weder 2 Sekunden lang konzentrieren, noch zuhören, noch diszipliniert mitmachen kann. Irgendwann wurde mir das Ganze zu bunt und ich brüllte aus voller Kehle: „RUHE!!! ES REICHTTTT!!!!“ Da starrten mir auf einmal 25 angsterstarrte Achtklässlergesichter entgegen, die sich gerade in einem Kriegsfilm glaubten. In meinem Kopf sang es derweil: „I’ve got the power!“ – Fazit: Ich liebe die deutsche Sprache.
Für alle meine Klassen hatte ich außerdem zum Abschluss einen Fragebogen auf englisch vorbereitet, in dem sie meine Stunden bewerten und ein bisschen über das vergangene Jahr reflektieren sollten. Viele Schüler haben sich wirklich Gedanken gemacht und interessante (wenn auch grammatikalisch katastrophale) Sachen aufgeschrieben. Einige Schüler haben auch sehr charmant herumgeschleimt.
Mein absoluter Favorit unter den Feedback-Bögen war allerdings ein Oberstufenschüler, der auf dem ganzen Blatt nur eine einzige Frage beantwortet hat.
Frage: If you were me, what would you have done differently? Antwort: I would have worn less.
Fazit: Ich hätte doch während des Trinity-Kurses auf den Rat meiner Freundin Nicola hören sollen: „There are two ways of giving a kick-arse English lesson. Make a detailed lesson plan, prepare engaging materials, practice the lesson the day before, give yourself plenty of sleep and enter the class with an enthusiastic smile. – Alternatively, wear a low-cut dress.“
Ach, und natürlich habe ich auch in dieser Woche meine letzten Privatstunden gegeben. Zum Beispiel bei Ricci und Margherita:
…und bei Angelica und ihrem Cousin Francesco (Kiko):
- Wie süß können diese Kinder bitte gucken?!
Gleich nach meinem letzten Schultag bekam ich auch schon wieder Besuch, diesmal von meinem Vater. Obwohl er nur drei Tage hier war, haben wir es doch geschafft ein recht ansehnliches Spektrum an Aktivitäten abzudecken – von Trümmergucken in Pompeji bis zur Bootsfahrt in der blauen Grotte von Capri. Und da das Wetter sehr schön mitgespielt hat, gibt es von diesen Tagen ein paar wunderschöne Fotos. Bittesehr:
PS: Wer erkennt das Kunstzitat in folgendem Bild? (Ich nenne es: "Texter überm Mittelmeer")
Oh, und wo wir gerade bei schönen Fotos sind…
Trekking sui due golfi
Letztes Wochenende machte ich mich mit Kim, Nate, Matt und Brett (zwei weiteren Fullbright-Amerikanern) auf zu einer Wanderung an der Amalfiküste. Wir haben unter anderem den Punkt erklommen, von dem aus man gleichzeitig den Golf von Neapel und den Golf von Sorrento sehen kann, bevor es in einem teilweise recht haarsträubenden Parcours bergab zu der entlegenen Bucht „Baia d’Iervante“ ging. Dort genehmigten wir uns ein wohlverdientes Mittagessen aus typischen Campania-Produkten (Brot aus Matts Nachbarsbäckerei mit Büffelmozzarella und Pecorino, gefolgt von frischen Orangen) und verbrachten den Rest des Tages damit, Kim ins Wasser zu locken („Komm rein, ist total erfrischend!“ „Leute, ich bin am Golf von Mexiko aufgewachsen. Und ich sage euch, dieses Wasser ist EISKALT!“). Schließlich ging es wieder steil bergauf und dann per Bus nach Sorrento, wo wir uns alle erstmal ein Rieseneis bestellten. Obwohl es teilweise extrem anstrengend war, wird diese Wanderung als echtes Highlight meines Jahres in Italien in Erinnerung bleiben. Ach, und außerdem habe ich beschlossen, dass ich irgendwann mal meine Flitterwochen an der Amalfiküste verbringen will. Es ist und bleibt für mich das Paradies auf Erden.
Der kleine Fleck dort oben bin übrigens ich:
So, das war's erstmal. Die nächsten Neuigkeiten kommen dann aus Venedig! Den Kater kriegt man nicht vom Alkohol, sondern vom Aufwachen...10. Mai 2008
Guten Morgen, meine Lieben!
Vielleicht hätte ich euch lieber einen wunderschönen Nachmittag wünschen sollen, denn es ist immerhin schon 14:30 Uhr. Angesichts der Tatsache, dass ich immer noch im Schlafanzug rumhänge, hielt ich erstere Begrüßung jedoch für angebracht. Es ist so ein typischer Samstagmorgen, an dem man gegen 10 Uhr zögerlich die Augen öffnet, weil die Sonne trotz geschlossener Rollläden (mit dreifachem L! Also der Reihe nach: Es fing an mit der SMS von Martina. Ob wir uns nicht alle mit ihrem spanischen Besuch treffen wollten, um erst ein wenig zu quatschen und dann in Chiaia auszugehen. Klar. Bin dabei. Ich machte mich also um 21:30 Uhr auf den Weg zu Martina, um ihre Freundinnen kennen zu lernen. Mit einem zögerlichen „Hola!“ betrat ich die Küche und wurde sofort Carolina, Jolie und Alba vorgestellt, die nicht nur unheimlich nett waren, sondern zum Glück auch sehr gut Englisch sprechen konnten. Nach und nach gesellten sich auch Kim und Alison zu uns und die Spanier statteten uns mit dem unabdingbaren Grundwortschatz fürs Ausgehen in ihrer Sprache aus, der da lautet:
„Yo chiero una cerveca, por favor.“ („Ein Bier, bitte.“) „Te chiero. Te amo. Te adoro…“ („Ich mag dich. Ich liebe dich. Ich vergöttere dich…“) „Es loco!“ („Der spinnt doch!“)
…Wie man „Leck mich am Arsch!“ auf Spanisch sagt, hab ich mittlerweile leider wieder vergessen. (Irgendwas mit „culo“ … hm … egal.) Es folgte ein ausgedehnter Streifzug durch die Kneipenmeile von Chiaia. Das Übel nahm seinen Lauf, als Alison ausrief: „What are you drinking? I’ll buy us a round.“ – Merke: Wenn die Schottin für Getränke sorgt, kann das kein gutes Ende nehmen. Nachdem ich einen nicht unerheblichen Teil des heutigen Tages damit verbracht hab, nachzuvollziehen, was und wie viel ich letzte Nacht konsumiert habe, folgt hier die vorläufige Liste: - 2 Bier (bei Martina) - 1 Rum & Coke - 1 Amaretto & Coke - 1 Whisky & Coke (brrr! *schüttel* Thanks, Alison…) - 2 Gin & Lemon
*hicks* - Oh, Verzeihung. Nun ja, irgendwann im Laufe des Abends geschah es auf dem Weg von einer Bar zur nächsten, dass mir auf einmal eine unvorhergesehene Treppenstufe ans Schienbein gesprungen ist. – Sowas aber auch… Unterwegs wurde viel gelacht, geflirtet und getanzt. Gegen 2 Uhr gesellte sich auch Michele zu uns, den wir vor einer Weile durch Nathan kennen und schätzen gelernt haben. Ich rechne es ihm immer noch hoch an, dass er so gut mit sieben besoffenen, gackernden Mädels fertig geworden ist. Ach, und außerdem hat er mir am Ende des Abends meine erste Fahrt auf einem „Motorino“ beschert
Gegen 4:30 Uhr fiel ich schließlich dankbar ins Bett. Nun zum Rest der Woche:
San Gennaro Day
Letzten Samstag machte ich mich mit Alison auf den Weg in die Altstadt, da ich während des Spanien-Austauschs meiner Schule unsere Stadtführerin gefragt hatte, wann denn die nächste Feier für den Schutzpatronen und wichtigsten Heiligen Neapels stattfände. Antwort: am Samstag vor dem ersten Sonntag im Mai. Folglich musste das dieses Jahr der 3. Mai sein. Nachdem wir verzweifelt alle unsere Bekannten gefragt und sämtliche Zeitungen und Internetseiten nach einer Ankündigung oder gar Zeitangabe für dieses Ereignis erfolglos durchkämmt hatten, beschlossen wir, einfach aufs Geratewohl gegen 11 Uhr in die Stadt zu fahren und vor Ort mal nachzuschauen. – Und da fragt man sich noch, warum Touristen es in Neapel so schwer haben! Ich meine, erstens sprechen wir die Sprache; zweitens sind wir bereits vor Ort; drittens kennen wir ein paar „Einheimische“ und viertens haben wir alle nur denkbaren Medien zur Verfügung – und trotzdem konnte oder wollte uns keine Sau eine Auskunft erteilen! Soviel zum Thema Benutzerfreundlichkeit. Im Dom selbst war tatsächlich gütigerweise eine winzige Tafel angebracht, aus der wir entnehmen konnten, dass die Prozession zu Ehren von San Gennaro um 17 Uhr stattfinden würde. Also beschlossen wir, den Rest des Tages mit Essen und Einkaufen zu verbringen. Es folgte ein unglaublich typischer, ja geradezu klischeehaft süditalienischer Tag. Erst wurden wir beim Panino-Essen von einem sehr gut aussehenden Bäcker angeflirtet, der ständig irgendwelche örtlichen Köstlichkeiten an uns vorbeitrug und uns ganz lieb erklärte, woraus die gemacht seien. Dann gönnten wir uns in der Altstadt ein köstliches Eis (Geschmacksrichtungen: Amarena-Kirsch und Kinderschokolade – mit Schokoladenwaffel Nachdem wir uns dankend verabschiedet hatten, schlenderten wir relativ ziellos durch ein paar Seitenstraßen – und hörten auf einmal wunderschöne Mandolinenklänge! In einem der vielen „bassi“ (Einzimmerwohnungen auf Straßenebene, in denen teilweise 6-köpfige Familien wohnen) saßen tatsächlich zwei alte Männer und spielten seelenruhig Mandoline. Und das sogar sehr gut. Wir lauschten also beide völlig begeistert der wunderschönen Musik, über uns hing die Wäsche sämtlicher Haushalte, ständig fuhren irgendwelche Vespas vorbei – und irgendwie kam man sich so vor, als würde man gerade in „Der Pate“ mitwirken. Allerdings ohne abgehackte Pferdeköpfe und so. (Wofür ich sehr dankbar war.)
Im Laufe des Tages kauften wir außerdem ein paar Sommerkleider für Alison und dringend benötigte neue Schuhe für mich. Tja, und schließlich haben wir es tatsächlich geschafft, San Gennaro in all seiner Herrlichkeit zu bewundern. Übrigens, für alle, die mit der neapolitanischen Kultur nicht so vertraut sind: San Gennaro (zu deutsch: der heilige Januarius) war ursprünglich Bischof in Benevento, bis ihm irgendwelche Wüstlinge den Kopf abhackten und ihn somit zum Märtyrer machten. Angeblich hat eine Frau kurz nach der Exekution sein Blut in einem Gefäß aufgefangen, das später nach Neapel gebracht wurde. In fester Form wird dieses Blut seitdem in einer Kapelle des Doms aufbewahrt und dreimal im Jahr vollzieht sich das sogenannte „Blutwunder des San Gennaro“. Sprich: Ein Haufen Ur-Neapolitaner, die alle behaupten, direkte Nachfahren von San Gennaro zu sein (ähem … schon klar) versammeln sich zum Gottesdienst im Dom und beschwören (oder beleidigen) den Schutzpatronen, sein Blut zu verflüssigen. Ja, genau, das Blut verflüssigt sich. Wenn man Glück hat. In den ein oder zwei Jahren, in denen sich das Zeug (was auch immer es sein mag) nicht verflüssigt hat, ist Neapel von schrecklichen Plagen heimgesucht worden. Müll fällt anscheinend nicht in besagte Kategorie, denn in den letzten Jahren hat sich das Blutwunder immer brav vollzogen.
Schließlich endete dieser typisch italienische Tag mit einem Spontananruf von Sarah aus Orvieto: „Du, mein Handyanbieter hat mir gerade 30€ Guthaben geschenkt. Einfach so!“ – Fazit: Manchmal muss man Italien einfach lieb haben
Und hier die neuesten Highlights aus Emmys täglichem Schulchaos:
Montagmorgen spielte ich mit meinen Schülern mal wieder „If I were a …, what would I be?“. Diesmal allerdings in einer anderen Klasse. Auf Emmys Frage: „What kind of animal would I be?“, prusten die Jungs in der letzten Reihe los: „A butterfly!“ – Jaja, schon klar, Jungs. Verarschen kann ich mich selber... Unbeirrt fahre ich fort: „What kind of film would I be?“. Und ein Schüler antwortet ohne zu zögern: „Scary Movie.“ – Trotz Entrüstungsfaktor musste ich dann doch unwillkürlich lachen.
Montag, 2. Stunde: Emmy betritt den Klassenraum und stellt fest, dass die Oberstufe gerade eine Klausur schreibt – sprich: die Sprachassistentin wird nicht benötigt. Das hätte man mir natürlich auch vorher mitteilen können - aber egal. Die liebe (sprich: furchteinflößende) Kollegin Maria-Grazia erhebt sich, lächelt eiskalt und fragt, ob ich kurz aufpassen könne, während sie sich einen Kaffee holt. Kein Problem. Kaum ist die Tür zu, guckt mich die Klasse mit großen Augen an und zischt wie aus einem Mund: „Emily! Help! Please!“. Ich werfe einen Blick auf den Klausurtext und stelle fest, dass es sich um einen Auszug aus Animal Farm handelt, den wir erst in der letzten Stunde zögerlich angefangen hatten zu bearbeiten. Sprich: Die Schüler können noch nicht mal die Charaktere auseinanderhalten, geschweige denn irgendwelches Hintergrundwissen oder eine schlüssige Interpretation präsentieren. Emmy wägt kurz im Kopf ab: 1.) In vier Wochen bin ich hier weg und die sehen mich nie wieder. 2.) Diese Aufgabenstellung ist unfair und Maria-Grazia einfach nur gemein. Ganz offensichtlich hasst sie Schüler wie die Pest. 3.) Die erste Aufgabe ist eine Inhaltsangabe. Das kann ich mit links. Emmy wirft also einen Blick auf die Tür und holt tief Luft: „Listen. I’m only going to say this once… Ready? In this extract Napoleon carries out the public trial and execution of several animals on the farm. He uses his dogs to threaten and kill the animals. In this context, the dogs can be interpreted as the secret police…“ Und so weiter. Vergib mir, Vater, denn ich habe gesündigt: Ich habe einer ganzen Klasse beim Spicken geholfen. – Fazit: Gott sieht alles. Aber er petzt nicht.
Montagabend komme ich gerade völlig gerädert von meinen ganzen Privatstunden nach Hause, als ich eine SMS von der Kollegin Valeria erhalte: „Hallo Emily! Wir haben vor kurzem in der 8. Klasse das Passiv durchgenommen. Könntest du eventuell für morgen eine Stunde zu diesem Thema vorbereiten?“ Aber klar doch. *seufz* In einem Anflug von Kreativität, der mich selbst überrascht hat, setze ich mich also vor den Computer, in der einen Hand ein Nutella-Glas, in der anderen einen Löffel. Am nächsten Morgen stehe ich vor einer Klasse, in der einen Hand den Deckel eines (mittlerweile leeren) Nutella-Glases, und schreibe folgenden Satz an die Tafel: „Nutella is made by the Ferrero company.“ Sodann dürfen die lieben Kleinen auf einem Arbeitsblatt die verschiedenen Stufen des Herstellungsprozesses in die richtige Reihenfolge bringen und anschließend ins Passiv übertragen („The hazelnuts are roasted. When they are almost black, the nuts are separated from their skins…“ etc.). – Fazit: Ich weiß jetzt ganz genau über die Herstellung von Nutella bescheid und kann sogar über die Entstehungsgeschichte referieren - man muss das Passiv ja schließlich auch im past tense können
Am Mittwoch habe ich versucht, meinem tollen Oberstufenkurs Sons and Lovers von D.H. Lawrence schmackhaft zu machen. Da es in diesem Buch stark um den Ödipus-Komplex geht, habe ich ihnen folgendes Video zur Analyse präsentiert:
Und da soll noch mal einer sagen, Literaturunterricht sei trocken und langweilig!
Ende dieser Woche haben übrigens die Trinity Prüfungen begonnen. D.h. ich hoffe und bange, dass meine Schüler alle gut durchkommen. Außerdem darf ich den ganzen Montag- und Dienstagnachmittag in der Schule verbringen, um den Schülern ihre Prüfungsunterlagen auszuhändigen und im Gang für Ruhe zu sorgen. Oh, à propos Trinity Prüfung folgt hier das Peinlichkeitsereignis Nr. 1 der vergangenen Woche: Nach meiner letzten Stunde am Mittwoch kommt eine Oberstufenschülerin auf mich zu. Also, nicht irgendeine Schülerin, sondern eine wahnsinnig gutaussehende, supernette, unheimlich intelligente Schülerin, die in jeder Stunde total lieb lächelt und supergut mitmacht. Besagte Schülerin (sie heißt übrigens Chiara) kommt also auf mich zu, während der Rest der Klasse die Sachen zusammenpackt, und fragt, ob ich morgen möglicherweise ihr Trinity Referat durchgehen könnte. - Emmy: „So, what’s your topic?“ - Chiara: „The history of the …“ (Da wurde es in der Klasse plötzlich so laut, dass ich nichts mehr verstehen konnte.) - Emmy: „Sorry, the history of what?“ - Chiara: „The history of the bikini.“ – Sprach's, und deutete sich dabei zur Verdeutlichung auf die Brust.
…An dieser Stelle brauchte ich ein paar Sekunden, bis sich mein Gehirn wieder einschaltete. Und zwar mit einer dringenden Warnmeldung („Emmy, verdammt! Sie redet noch mit dir! Wo befinden sich die Augen einer Frau...? – Richtig: im Gesicht. Jetzt guck da gefälligst wieder hin!“).
– Fazit: Ich muss dringend dieses Land verlassen, bevor ich ernsthaftes Interesse an Minderjährigen entwickle! What do you do with a B.A. in Drama & Creative Writing?2. Mai 2008
Ja, Freunde der Sonne, es ist soweit. Nach zahllosen Lehr- und Wanderjahren habe ich heute endlich eine Antwort auf diese Frage gefunden. Wer sie wissen will, muss sich allerdings bis zum Ende dieses Eintrags gedulden, da ich weiterhin im Ansatz chronologisch vorgehen möchte, und in der Zwischenzeit so einiges passiert ist. Wer möchte, kann sich beim Weiterlesen den Soundtrack zum Musical „Avenue Q“ runterladen, aus dem die Titelzeile entnommen ist.
(What do you do with a B.A. in English? What is my life going to be? Four years of college And plenty of knowledge Have earned me this useless degree. I can’t pay the bills yet, Cause I have no skills yet. The world is a big scary place. But somehow I can’t shake The feeling I might make A difference to the human race…)
Äh…wo war ich? Ach ja, Chronologie, Emmy, Chronologie…
Hablas espagnol? No, ma yo comprendo… un pochito zumindest
Keine Angst; Emmy hat nicht plötzlich das Land gewechselt. Im Gegenteil: Die Spanier sind zu uns gekommen. Eine Woche lang war eine 10-köpfige Schülergruppe aus Ibiza zu Besuch am Liceo Alberti. Zwei Tage vorher hatte mich Loredana nebenbei während einer Unterrichtsstunde gefragt, ob ich nicht Lust hätte, bei der Betreuung des Austauschs mitzuhelfen. Als ich zusagte, wusste ich noch nicht, was „Betreuung“ auf italienisch heißt: Jeden Morgen erst ein paar Stunden im Computerraum rumhängen, während die Schüler eigenständige Gruppenarbeit leisten, dann eine kostenlose Führung durch das Archeologische Museum, den Botanischen Garten oder die historische Altstadt mitmachen, ab und zu die Schüler ein bisschen vorantreiben („Andiamo, ragazzi! … Vamos, chicas!“ etc.). Dann ab nach Hause. – Ganz ehrlich: Life could be worse. Zwar war es letztendlich eine sehr zeitintensive und schlaflose Woche, da ich direkt von irgendwelchen Exkursionen zur nächsten Privatstunde und von dort zur Essensverabredung mit den Lehrern hetzen musste, aber ich habe die ganze Woche keinen Pfennig für Essen ausgegeben, da mittags das Lunchpaket von der Schule gestellt wurde und abends immer auf Kosten eines netten Kollegen im Restaurant gespeist wurde. Fazit nach einer Woche Austausch: Neapolitaner und Ibizaner (Ibizesen?) sind sich vom Temperament her sehr ähnlich (sprich: Ich war die Einzige, die bei den Führungen zugehört hat); die spanischen Kolleginnen (Anna und Neus) waren in Englisch wesentlich fitter als meine italienischen Kolleginnen – ihre Schüler hingegen waren aus ungeklärter Ursache noch schlechter als die Italiener; und – erfreulich-überraschende Entdeckung – nach einem Jahr des täglichen Italienischsprechens und –hörens kann ich auf einmal Spanisch verstehen. Sprechen kann ich es nicht, aber nach der Führung durch das Archeologische Museum war ich völlig begeistert, dass ich die Ausführungen über griechische Mythen und kunsthistorische Details zumindest im Ansatz verstanden hatte. – Fazit des Fazits: Das Spracharsenal der Emily O. aus W. an der L. weitet sich immer mehr aus… Hier ein paar Eindrücke vom Austausch:
Auf dem zweiten Bild seht ihr übrigens meine Betreuungslehrerin Loredana (r.) im Gespräch mit der spanischen Kollegin, Neus.
„Cercasi David“ – oder: Frischzellenkur in Orvieto
Mitte April nutzte ich die Gelegenheit drei schulfreier Tage zu einem Gegenbesuch bei Sarah in Orvieto (also, nicht Hamburg-Sarah, sondern Regensburg-Sarah. Ach, ihr wisst schon, wer ihr seid.). Übrigens, Grund für den unerwarteten Schulstundenausfall: die italienischen Parlamentswahlen. Ja, ihr habt richtig gelesen.
Meine Schule wurde als Wahllokal genutzt, sprich: Samstag fiel der Unterricht wegen Wahlvorbereitungen aus (den hab ich sowieso frei), Sonntag und Montag wurde gewählt (warum die Italiener als einziges Volk in Europa zwei Tage zum Wählen brauchen, weiß keiner so genau), Dienstag musste die Schule gereinigt werden (was mich zu der Frage nötigt: Wieviel Dreck verursachen Italiener beim Wählen? Auf italienisch hieß dieser Vorgang übrigens „desinfestazione“. – Klingt, also würden sie Ratten oder irgendwelche Parasiten beseitigen.), tja, und Mittwoch war halt… der Tag nach der „desinfestazione“. Da kann man ja nicht sofort wieder in die Schule. Klar. – Meine Reaktion nach acht Monaten Italien: nicht erst blöd fragen. „Freier Tag? Super! Danke! Ich bin dann mal weg…“ …Sprach’s und setzte sich in den Zug nach Rom. In der ewigen Stadt angekommen, erwischte ich eine etwas gestresste Sarah am Handy: „Du, also, wir sind hier mit unserer deutschen Austauschgruppe unterwegs und haben grad die Hälfte verloren.“ – Been there, done that. Ich setzte mich also auf die Spanische Treppe, bis die Gruppe sich wiedergefunden hatte und wir uns am Trevi-Brunnen treffen konnten. Von dort aus ging’s mit dem Zug weiter nach Orvieto – und ich kam mir vor, als wäre ich in einer ganz anderen Welt gelandet. Dieser kleine Ort zwischen Florenz und Rom ist wunderschön und ungefähr so groß wie meine Heimatstadt Winsen (sprich: ca. 30.000 Einwohner, wenn man die ganzen umliegenden Kuhkäffer mitzählt). Die gesamte Innenstadt ist eine Fußgängerzone, d.h. um 9 Uhr abends ist dort kein Mucks mehr zu hören und man möchte eigentlich nur noch flüstern, um die Nachbarn nicht aufzuwecken. Nach acht Monaten Neapel war das fast wie eine Mondlandung. Ich lag am ersten Abend todmüde im Bett und stellte fest, dass ich ohne knallende Aufzugtüren, bellende Nachbarshunde, hupende Autos und das Krachen und Rumsen der Müllabfuhr um 2 Uhr morgens nicht mehr einschlafen konnte. Außerdem wohnt Sarah in einer ganz traumhaften Umgebung – mit eigenem Garten und in Sichtweite des wunderschönen Doms von Orvieto. Und ihre Vermieter haben eine Katze, die gerade eine Woche zuvor Junge bekommen hatte. So haben wir also einen gesamten Abend damit verbracht, Katzenbabys zu bewundern und in regelmäßigen Abständen „ah!“ und „oh!“ und „Mein Gott, sind die süüüüüß!“ auszurufen. Hier ein paar Eindrücke:
Nun ja, im Laufe des Wochenendes hat sich Sarah wirklich alle Mühe gegeben, mir die örtlichen Sehenswürdigkeiten zu zeigen. Wir haben die umbrische Landschaft bewundert, sind durch malerische Gässchen geschlendert, in tiefe Brunnen gestiegen, auf hohe Türme geklettert – und haben über 25 Kirchen in diesem kleinen Ort gezählt. Madonna santa!
Außerdem haben wir mit der deutsch-italienischen Austauschgruppe ein paar Sprach- und Kennenlernspiele gemacht und eine Exkursion nach Florenz betreut. Dort besichtigten Sarah, ich und Sarahs Schülerin Anka unter anderem die wunderschöne Kirche Santa Croce, sodass ich im Vorbeigehen Rossini, Galilei, Dante, Machiavelli und Michelangelo posthum Guten Tag sagen konnte.
Das Wochenende hatte außerdem noch einen ganz besonderen Reiz. Sarah erweist sich nämlich bei näherem Kennenlernen als „domestic goddess“ – sprich: Sie kann ganz wundervoll kochen. Angefangen bei Rucola-Birnen-Salat mit Parmesan, über eigens importierte Käsespätzle, bis hin zu Spargel in Sahnesauce mit Schinken, Käse und Kartoffeln, hat meine liebe Gastgeberin mich kulinarisch derart verwöhnt, dass ich mich zum Heiratsantrag veranlasst fühlte. Derzeit streiten wir uns allerdings noch darum, wer das Kleid tragen darf…
Zurück in Neapel musste ich erstmal den Schock des Wahlergebnisses verdauen. Berlusconi ist wieder an der Macht. Che palle! Wie kann denn das angehen?! Ich kann verstehen, dass bestimmte Leute aus bestimmten Gründen einen schmierigen, Frauen verachtenden, machtgeilen, korrupten Idioten zum Volksoberhaupt wählen. Was ich nicht verstehen kann, ist wie man einen 71-jährigen, schmierigen, Frauen verachtenden, machtgeilen, korrupten Idioten wiederwählen kann! Valentina, die im politischen Spektrum eher links angesiedelt ist, konnte dies offensichtlich auch nicht verstehen. Den ganzen Abend lang saß sie depressiv am Küchentisch und beschwerte sich über das Wahlverhalten ihrer Landsleute. Bis es plötzlich still wurde am Tisch. Und wir beide Alessia anguckten. Und Valentina zögerlich fragte: „Du hast nicht zufällig Berlusconi gewählt, oder? … Sag mir bitte, dass du nicht Berlusconi gewählt hast!“ Ale: (zuckt mit den Schultern) „Ich hab schon immer die Konservativen gewählt.“ Vale: (springt auf und rauft sich die Haare) „Mein Gott! Ich hab den Feind im eigenen Haus!“ … und so weiter.
Fazit 1: All countries get the government they deserve. Fazit 2: Mir tut Angela Merkel leid, die jetzt mit Sarkozy und Berlusconi gleich zwei Egomanen in Schach halten muss.
Nachdem auch diese WG-Krise überwunden war, folgte schon das nächste verlängerte Wochenende, denn der 25. April ist der Tag der italienischen Einheit (oder „Garibaldi Day“, wie ich ihn zu nennen pflege). An diesem Wochenende waren drei meiner englischen Uni-Freunde eingeflogen, um den Geburtstag meiner walisischen Freundin Fflur in Benevento zu feiern ( - und für alle, die jetzt vollends verwirrt sind bezüglich der Staatszugehörigkeit und des Aufenthaltsortes meiner Freunde, kommt hier folgende sinnlose Zusatzinformation: Fflur ist als Kind holländischer Eltern in Wales aufgewachsen und spricht somit Englisch, Holländisch und Walisisch. Ach, und seit zwei Jahren studiert sie außerdem Italienisch und Französisch. Noch Fragen?). So kam es, dass ich am Freitag den Zug nach Salerno nahm, um mich mit Fflur, Lisa, Nim (Naomi), Rory und Lucie (Fflurs französischer Freundin) zu treffen, die allesamt ein Auto gemietet hatten. Wir quetschten uns also zu sechst in einen 4-Personen Hyundai und fuhren bei strahlendem Sonnenschein die Amalfiküste entlang. Und da Lisa, Nim, Fflur und ich uns aus dem Chor kennen, wurde natürlich die ganze Zeit lang lautstark alles mitgesungen/mitgegrölt, was gerade im Auto zu hören war. Schließlich legten wir uns in Maiori an den Strand und die Todesmutigen unter uns beschlossen, sich ins kühle Nass zu stürzen. – Wobei „kühles Nass“ die Untertreibung des Jahrhunderts darstellt. Oh. Mein. Gott. War. Das. Schweinekalt! Oder, wie es der arme Rory ausdrückte: „I’m inverted!“
Nachdem wir uns die Zeit am Strand mit diversen Cheerleader-Posen vertrieben hatten, machten wir uns schweren Herzens wieder auf den Heimweg – und brauchten Dank Ferienverkehrs und grottenschlechter italienischer Ausschilderung nur viereinhalb Stunden für den Rückweg.
Am Morgen darauf folgte bereits die nächste Überraschung: 1) Fflur und Rory ziehen los, um den Mietwagen vom öffentlichen Parkplatz abzuholen und zurückzugeben. 2) Anruf von Fflur: „Ähm…Leute…wir stehen hier…und das Auto ist weg.“ 3) Wir: „Scheiße!“ 4) Fflur kontaktiert einen befreundeten Polizisten und fährt mit ihm zu den Carabinieri ( - was kennt die Frau bloß für Leute?!) 5) Anruf von Fflur: „Das Auto ist nicht gestohlen, sondern abgeschleppt worden. Wir holen’s jetzt ab und zahlen dann 80€ Strafe.“ Schließlich schafften wir es dann doch noch alle rechtzeitig zum Bahnhof und fuhren erschöpft aber glücklich wieder nach Hause. Fazit: Wenn ein Road Trip mit sechs Personen schon so viel Chaos verursachen kann, bin ich mal gespannt, was alles passiert, wenn ich mit diesen (und 20 anderen) Leuten Ende Juni auf Chorfahrt nach Venedig, Verona und an den Gardasee fahre…
Was war sonst noch?
Ich habe letzten Sonntag mit Davide und Alessia einen wunderschönen Spaziergang im Parco Virgiliano gemacht. Der liegt etwas oberhalb von Neapel und bietet herrliche Ausblicke über die Stadt und das Meer. Daher gibt’s von diesem Tag auch tolle Fotos.
…And finally, the mystery is solved:
Es folgt der Moment, auf den wir alle gewartet haben. Die Antwort auf die ewig-wiederkehrende BWLer-Frage: „Und was macht man mit so nem verrückten Studiengang?“ Man bewirbt sich bei englischen Sommersprachschulen. So geschehen in den letzten zwei Wochen. Ich habe mich für diesen Sommer erfolgreich bei zwei Sprachschulen beworben, die beide sehr an meinen Erfahrungen im Bereich Theater und Kreatives Schreiben interessiert waren. Ätsch. Nachdem ich heute Morgen das letzte Bewerbungsgespräch hinter mich gebracht habe, kann ich euch nun mitteilen, dass ich vom 12. Juli bis 16. August für die Oxford Intensive School of English (www.oise.com) als Resident Teacher in Headington (Vorort von Oxford) arbeiten werde. Das heißt, die stellen Unterkunft und Verpflegung in der Schule und zahlen mir 300€ die Woche dafür, dass ich jeden Tag drei 90-minütige Englischstunden gebe (in Gruppen von maximal acht Teilnehmern *jauchz*), diverse Sport-, Spiel- und Workshopaktivitäten betreue und anschließend sicherstelle, dass alle Teenager (13-16 Jahre) im richtigen Bett schlafen. Außerdem wird’s Tagesausflüge nach Oxford und London geben. Das Ganze wird wahrscheinlich wahnsinnig arbeitsintensiv, da ich die Schüler praktisch 24 Stunden am Tag um mich habe, aber hoffentlich kann man sie dadurch auch besser kennen lernen und sehr viel Spaß zusammen haben. Ach, und irgendwann in dieser Zeit wär’s klasse, wenn ich für einen Tag nach Stratford könnte, um mir eventuell eine Wohnung für’s nächste Jahr zu organisieren. Der vorläufige Plan für die nächsten Monate sieht also folgendermaßen aus: Am 7. Juni endet mein Vertrag hier in Italien. Mitte Juni kommt mein Vater mit nem leeren Koffer vorbei, um zumindest einen Teil meines ganzen Mülls wieder nach Deutschland zu schleppen. Vom 17.-24. Juni bin ich hoffentlich mit meinem Uni-Chor unterwegs, und Ende Juni/Anfang Juli fliege ich dann für ca. 10 Tage nach Hause. An alle Winsener, die ihr diesen Blog lest: Haltet euch bitte den 6. Juli frei! Da hab ich nämlich Geburtstag und werde ihn hoffentlich ausnahmsweise mal mit euch feiern können.
In diesem Sinne: Euch allen eine gute Nacht! Jauchzet! Frohlocket!5. April 2008
Die Bloglosigkeit des vergangenen Monats ist vorbei. Allerdings hatte sie gute Gründe. Wenn ich nicht gerade selbst unterwegs war, hatte ich wechselnde Besucher, die ich selbstverständlich 24 Stunden am Tag liebevoll umsorgen musste (äh…oder so ähnlich). In der Zwischenzeit habe ich viel erlebt und viele neue Eindrücke gesammelt. Daher gibt es für die Lesefaulen unter euch mit diesem Eintrag auch gleich einen Haufen neuer Fotos. So, wo fang ich bloß an…?
London – I Wish I Could Go Back To College…
Anfang März stand – wie angekündigt – meine Stippvisite in London / Royal Holloway an. Also flog ich frohen Mutes am 7. März in Neapel bei strömendem Regen ab. Es folgte ein wirklich seltsamer Reiseverlauf: Beide Flüge landeten 10 Minuten vor der geplanten Ankunftszeit; beim Landeanflug erstrahlte der Flughafen Heathrow zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit in herrlichstem Sonnenschein; kaum war ich mit der Passkontrolle fertig, landete mit einem sanften „plopp“ mein Rucksack als erstes Stück auf dem Gepäckband; UND der Bus nach Englefield Green war pünktlich! Kurzum: Ich dachte, ich wäre im falschen Land gelandet. Entweder das, oder ich war nach 7 Monaten Italien derart abgehärtet und zynisch, dass mir sogar England effizient und organisiert vorkam.
Das Wochenende an sich war – vor allem Dank meiner Ex-Mitbewohnerin Katy und der superfreundlichen Atmosphäre im Chor – total genial. Ich weiß nicht, ob’s nur daran liegt, dass ich seit Monaten in einem fremden Land lebe, aber zum ersten mal fühlte sich England nicht wie Ausland an. Es fühlte sich an, als würde ich nach Hause kommen. Das war mir bisher nur in Deutschland passiert. Wie gesagt wurde ich von neuen wie alten Absolute Harmony Mitgliedern mit offenen Armen aufgenommen. So begrüßte mich z.B. meine Freundin Lisa (unsere Chorleiterin) überschwänglich mit den Worten: - „Weißt du schon, dass du heute Abend im Konzert ein Solo singst?“ - „Äh…nein?“ - „Ach so, naja, jetzt weißt du’s. Das haben wir gestern so beschlossen.“ - „Ach so. Na dann…“ Some things never change ;)
Nach besagtem Konzert folgte der traditionelle Ausruf: „To the bar!“ und es wurde viel getrunken und in nostalgischen Erinnerungen geschwelgt. Das ganze war seltsam, weil es so normal war. Während ich in der Studentenbar meinen widerlichen englischen Billig-Weißwein schlürfte, kam es mir so vor, als müsste ich Montagmorgen wieder zum Lyrikseminar. Die Rhoscars-Zeremonie am Sonntagabend war wie erwartet auch sehr nett und eine gute Gelegenheit, ein paar alte Kontakte wieder aufleben zu lassen. Außerdem hat der Vize-Kanzler der Uni den Emily-Oliver-Award verliehen, also durfte ich mir wahnsinnig wichtig vorkommen Gegen Mitternacht wurden dann so langsam alle Gäste rausgeschmissen und die Hardcore-Fraktion pilgerte zu Lisa, die um 3 Uhr morgens sogar noch für uns alle gekocht hat. Naja, jedenfalls saßen wir ewig herum und haben über Gott und die Welt geredet. Nachdem ich noch rasch meine Sachen umgepackt hatte, landete ich schließlich um 5.30 Uhr im Bett. Um 7 Uhr musste ich allerdings schon wieder aufstehen, um 15 Minuten im strömenden Regen auf einen Bus zu warten (so langsam kam mir das Land dann doch wieder bekannt vor). Völlig durchnässt kam ich in Heathrow an und vernahm die Nachricht, dass die Südküste Englands gerade den schlimmsten Wintersturm seit langem erlebte, sodass 80% der Flüge gestrichen waren und der Rest verspätet war. Bei Alitalia ging natürlich spontan mal gar nix. Immerhin buchten sie mich für den folgenden Tag auf den selben Flug um und so kam ich am späten Dienstagnachmittag in Neapel an und stellte meinen Wecker für den nächsten Morgen. Der blieb praktischerweise mitten in der Nacht stehen, sodass ich spontan mal die ersten zwei Stunden verpasste. Alles in allem ein Superstart in die Woche
Hier ein paar Eindrücke:
Ja, Freunde, das war also London (in der Kurzform). Es folgte:
Positano – oder: WDJG? (Where did Jesus go?!)
An Ostern bekam ich Besuch von meiner lieben Bayreuther-Freundin Leonie und von meiner Mom (nachdem letztere ihren ursprünglichen Flug verpasst hatte. Aber das ist eine andere Geschichte…)
Nach einer ausgiebigen Stadtführung durch Neapel („Ach komm, wir laufen nur noch schnell hier hoch und dann noch ein bisschen weiter…Hm…komisch, wo isses denn jetzt?… Ähm…vielleicht hier lang…?“) startete unser Chaos-Trio am Donnerstagmorgen Richtung Amalfiküste durch. In den folgenden vier Tagen haben wir Positano, Ravello, Amalfi und Sorrento besichtigt, endlose Fotoshootings über uns ergehen lassen und Unmengen Limoncello (und andere Likörsorten) probiert. Es war unheimlich schön, einfach mal aus der Großstadt rauszukommen, frische Luft zu atmen und sich nicht ständig sorgen um Kriminalität etc. machen zu müssen. Und vor allem war es schön, endlich mal wieder Zeit zu haben, mit Leonie über alles Mögliche zu reden. In den letzten vier Jahren haben wir uns nämlich höchstens mal drei Tage am Stück gesehen und meistens waren dann noch ein paar Stressfaktoren wie Hochzeiten oder so im Spiel. Einziger Stressfaktor an der Amalfiküste: der autistische Geisteszustand der Busfahrer, die den ganzen Tag lang auf den Serpentinenstraßen verkehren und glauben, ein beherztes Hupen vor jeder Kurve könne im Notfall eine Frontalkollision mit dem Gegenverkehr verhindern.
Hier ein kurzer Einblick in die Amalfi-Küste:
Unser Ferienappartment in Positano stellte sich übrigens als wahrer Glücksgriff heraus: Das Ganze wurde von einer typischen italienischen Familie betrieben, deren zahlreiche Mitglieder nicht genug für uns tun konnten, sobald sie herausbekommen hatten, dass man sich mit uns auf Italienisch unterhalten konnte. Allein beim Frühstück ließen sie nichts unversucht, uns vollzustopfen (und meine Mutter schwärmt immer noch vom morgendlichen Kaffee). Anschließend stand die Oma den ganzen Tag lang in der Küche, um für die gesamte Familie zu kochen, es herrschte stets ein herrlicher Duft und die Kinder konnten bei jedem Gang durch die Küche etwas Essbares mitnehmen (und sahen auch ein wenig so aus
Am Tag nach unserer Ankunft pilgerten wir – wie sich das für *hust* gute Katholiken *hust* gehört – abends zum Karfreitagsgottesdienst in die kleine Kirche von Positano. Eigentlich wollten wir hauptsächlich die traditionelle Prozession sehen, bei der sich die Dorfbewohner von Kopf bis Fuß in weiße Gewänder hüllen, was leider absolut Ku-Klux-Klan-mäßig aussieht. Ich gehe aber einfach mal davon aus, dass diese Tradition in Positano wesentlich länger existiert als radikal-konservative/geisteskranke Amerikaner, die in ihrer Freizeit Schwarze auspeitschen. Nachdem man sich also an das Meer von weißen Kapuzen gewöhnt hatte, war der Gottesdienst recht interessant – obwohl wir drei wahrscheinlich noch die aufmerksamsten Mitglieder der Gemeinde waren. Während der gesamten Predigt herrschte ein reges Kommen und Gehen, es wurde ausgiebig mit den Nachbarn getratscht und diskutiert, im Seitengang wurde nebenbei Beichte gehalten, und ständig rannten kleine Kinder in der Kirche herum, die entweder über ihre weißen Gewänder stolperten oder verzweifelt versuchten, die Gucklöcher in der Kapuze so zu arrangieren, dass sie tatsächlich sehen konnten, wo sie hinliefen. * lach* Meine Mom fragte mich irgendwann: „Sag mal, ist das normal, dass die ununterbrochen reden??“ „Mum, das sind Italiener. Wenn die nicht reden, fallen sie tot um. Und wenn die sich schon in der Kirche so verhalten, dann stell dir jetzt bitte mal eine meiner Unterrichtsstunden vor…“ Aber zurück zum Gottesdienst: Nachdem ich versucht hatte, mir das Vater Unser auf Italienisch einzuprägen, folgte der wohl spannendste Teil: Vier römische Legionäre trugen eine Bahre und eine Leiter in die Kirche. Sie reichten dem Pfarrer einen Holzhammer, woraufhin dieser die Leiter hinaufstieg und der lebensgroßen hölzernen Jesusfigur die Nägel aus Händen und Füßen schlug, und ihn schließlich vom Kreuz auf die Bahre hinabließ. Obwohl man darüber streiten könnte, ob die Ostergeschichte so wörtlich umgesetzt werden sollte, muss ich doch festhalten, dass es in der Kirche auf einmal sehr still wurde und dass ich mir in dem Moment das Leiden Christi sehr viel besser vorstellen konnte. Das Ganze ist mir irgendwie doch recht nah gegangen. Schließlich wurde Jesus in einer feierlichen Prozession aus der Kirche getragen – und ward nie wieder gesehen. Ehrlich: Nachdem sich die riesige Menschtraube am Eingang endlich aufgelöst hatte, haben wir überall nach Jesus und dem Rest der Prozession gesucht und sie waren nirgends zu finden.
Am Montag traten wir dann die Rückreise nach Neapel an. Kaum 5 Minuten wieder zurück in der pulsierenden Golfmetropole wurde mir auch schon das Portemonnaie geklaut. Wir wissen immer noch nicht genau wie, aber es muss gewesen sein, als wir auf die Metro gewartet haben. Portemonnaie in der Tasche. Hand auf der Tasche. Fazit: äußerst talentierter Taschendieb. Grrrr! Immerhin hat er mir weder das Handy, noch die Digitalkamera, noch den iPod geklaut. Warnung an alle potenziellen Diebe da draußen: Sollte mir jemals irgendwer den iPod klauen, hätte ich keine Hemmungen, diese Person auf grausamste Weise umzubringen. Nun ja, so hat der Dieb am Ende folgendes erbeutet: - 2 Bankkarten (mittlerweile gesperrt) - 1 Führerschein (mit superhässlichem Foto. – You’re welcome!) - 1 Krankenkassenkarte - 1 Jugendherbergskarte - 1 Trenitalia Studentenrabattkarte - 1 fast abgelaufene Metro-Monatskarte - meine deutsche SIM-Karte - diverse Adressen, Telefonnummern und ganz viele Fotos von meinen Liebsten
Obwohl das Ganze natürlich extrem ärgerlich ist, hätte es durchaus schlimmer kommen können. Z.B. konnte meine Mom kurzerhand Bargeld abheben, um es mir zu leihen, und kurz nach ihrer Rückkehr nach Deutschland hat sie der Bank Feuer unterm Hintern gemacht, sodass ich seit heute eine neue EC-Karte in Händen halte. Thank you, Mum!
Nun ja, am Mittwoch musste dann auch Leonie schließlich wieder abreisen. *schnief* Ich hoffe aber, dass ich sie möglichst bald in Mainz besuchen kann.
Noch ein paar Sätze zum Wetter: Obwohl es über Ostern an der Amalfiküste recht durchwachsen war, sind wir nur einmal tatsächlich nass geworden. In Neapel hat es derweil angeblich fünf Tage lang durchgeregnet. Also hätten wir durchaus schlechtere Osterpläne schmieden können. Z.B. zur Ostermesse nach Rom zu fahren. Hat irgendwer die Fernsehbilder davon gesehen? *prust* Na, ein bisschen Schadenfreude wird ja wohl noch erlaubt sein
Daaaaaaay Tripper…one-way ticket, yeah!
Kaum zwei Tage nach Leonies Abreise rollte schon die nächste Besucherwelle in der Form meiner englischen Uni-Freunde Emma und Fiona ins Haus. Und – oh Wunder! – das Wetter klarte endlich, endlich auf. Hallelujah! Nach Monaten des Regens kam endlich der strahlende Sonnenschein meiner Anfangszeit in Neapel wieder und mir wurde auf einmal klar, wie sehr ich in den letzten Monaten in Depressionen versunken war. Ganz ehrlich: Es gibt keinen deprimierenderen Ort als Neapel im Regen. An diesem Wochenende zeigte sich die Golfregion wirklich von ihrer besten Seite, sodass wir am Samstag einen wunderschönen Tag auf Capri verbringen konnten (wo übrigens die Touristensaison begonnen hat. Sprich: überall Deutsche in weißen Socken und gepfefferte Preise. Einfache Überfahrt per Tragflügelboot = 16€! *schluck* Zurück ging’s dann mit der Fähre: annehmbare 7,30€.).
Am Sonntag quälten wir uns dann zu unchristlicher Stunde aus dem Bett (sogar noch durch die Zeitumstellung verschlimmert!), damit meine beiden Geschichtswissenschaftler-Freundinnen sich vor ihrer Abreise noch in Pompeji austoben konnten. Dort holte ich mir übrigens den ersten leichten Sonnenbrand des Jahres. *strahl* Auf dass noch möglichst viele folgen mögen…
Was war sonst noch?
Ich glaube, ich hatte bereits im letzten Blogeintrag erwähnt, dass die Zahl meiner Privatschüler auf einmal exponentiell gestiegen ist. Mittlerweile gebe ich fünf Privatstunden die Woche und das Alter meiner Schüler reicht von 5-17 Jahren. D.h. während die Jüngste gerade lesen und zählen lernt, versuche ich dem Ältesten den Unterschied zwischen Present Perfect und Simple Past einzubläuen. Nicht genug damit, dass ich die ganze Woche durch Neapel hetze, nein, ich werde langsam aber sicher zur Supernanny und meine Schultasche verwandelt sich immer mehr in eine magische Mary-Poppins-Tasche. Mittlerweile lässt sich Folgendes darin finden:
- 2 Schaumstoffalphabete zum Ausstechen (ein kleines, und eins im Fußboden verdeckenden Großformat – damit ich mit meinen Schülern Alphabet-Twister spielen kann) - 1 Malblock + 1 Packung Buntstifte - 1 Würfel - Knete in diversen Farben - 1 Schere, 1 Klebstift - jeweils 1 Satz Memory-Spielkarten für: Kleidung, Körperteile, Früchte, Gemüse, wilde Tiere und Bauernhoftiere - 1 Alphabet-UNO-Kartenspiel (aus eigener Herstellung. Dazu später mehr.) - Wandkarten von Großbritannien, London und New York - Bilder von Lenin, Stalin und Trotzki (für meine Stunden über Animal Farm) - Filmposter für Titanic, Der Pate und Hairspray (für meine lieben Achtklässler)
… Die Liste ließe sich endlos fortsetzen. Besonders stolz bin ich – wie gesagt – auf die UNO-Alphabet-Karten, für die ich erst die Internetvorlage illegal auf dem Schulfarbdrucker ausgedruckt habe und dann jede einzelne Karte auf ein Metro-Ticket geklebt habe. D.h. ich habe jetzt ein ca. 120 Karten umfassendes Spiel, mit dem man nicht nur Farben und Buchstaben, sondern alles Mögliche üben kann (z.B. musste sich mein armer 12-Jähriger letztens für jede Karte, die er spielen wollte, ein englisches Adjektiv überlegen). - Okay, okay, ich hör schon auf. Es ist mir durchaus bewusst, dass sich der Otto-Normal-Blogleser nicht so sehr für pädagogisches Spielzeug begeistern kann wie ich. Der langen Rede kurzer Sinn: Fünf Extrastunden pro Woche (plus Vorbereitung, plus Trinity-Stunden) bedeuten zwar extra Stress, dafür komme ich aber jetzt ein bisschen besser über die Runden und die Woche geht extrem schnell rum. – A propos: nur noch neun Wochen Schule, dann ist mein Jahr in Neapel vorbei. Der Countdown läuft. Kaum zu fassen…
Und hier die neuesten Highlights aus Emmys Unterricht:
Szenario 1:
Wir lernen was über Australien und üben gleichzeitig das Present Perfect. Aufgabe: Imagine you have been in Australia for 6 months. Write me an email telling me about everything you’ve done. Resultat: Mit den neuen Vokabeln kommen alle gut klar. Ebenso mit dem Present Perfect. Das schwierigste an dieser Aufgabe: den Namen der Englisch-Assistentin korrekt zu schreiben. Mein persönlicher Favorit (beim zufälligen Rundgang entdeckt): „Dear Hamely…“
Szenario 2:
Wir üben 2nd Conditional und den Gebrauch des Subjunktiv im Englischen („If I were you“ etc.). Aufgabe: Work with a partner. If your partner were an animal (etc.), what would he/she be? Resultat: Die Jungs in der letzten Reihe melden sich am Ende der Stunde und sagen: „Emily (Hamely?), we did you!“ „Oh, really?“ (Oh, help!)
Hier ihre Liste: If Emily were an animal, she would be a fox. (Soso…) If Emily were a car, she would be a Fiat 500. (Ach komm! So klein bin ich wirklich nicht!) If Emily were a piece of furniture, she would be a door. (Das Tor zu einer anderen Kultur. Klar. Das bin ich. *schulterklopf*) If Emily were a fruit, she would be an orange. (Damit kann ich leben.) If Emily were a drink, she would be coffee. (Espresso ohne Zucker, wie sich bei genauer Nachfrage herausstellte.) If Emily were a film, she would be „Titanic“. (Die Katastrophen-Metaphorik widerstrebt mir etwas…) If Emily were an item of clothing, she would be a boot with the Union Jack on it. (Mann, was seid ihr kreativ, Kinder…)
Szenario 3:
Wir reden über Kinofilme. Unter anderem über Titanic, Der Pate und Hairspray. Emmy: „So…what kind of film is Titanic?“ Kooperativer Schüler Nr. 1: „Titanic is a… drama? A romantic film?“ Emmy: „Yes, you can say that. Very good. What kind of film is The Godfather?“ Kooperativer Schüler Nr. 2: „It’s a Mafia-Film.“ Emmy: „Yes, or we could call it a gangster film. It’s certainly a violent film. Now…what kind of film is Hairspray?“ Alle Jungs in der Klasse: „A GAY FILM!!!“ Emmy (prustet fast ihren Kaffee über den Lehrertisch): „Erm…and what’s gay about it?“ Jungs: „Only girls watch it!“
Äh…Logik? …All girls are gay? Fazit: Manchmal wünsche ich mir, die Welt wäre tatsächlich so, wie sie sich meine lieben Achtklässler vorstellen…
In diesem Sinne wünsche ich euch einen herrlichen April. Mal schauen, ob ich irgendwann in diesem Monat noch mal zum Bloggen komme. Für alle, die sich bis hierhin vorgekämpft haben, folgt hier ein Video, das mir Marion vor einer Weile hat zukommen lassen. Titel: „Europe vs. Italy“ – Viel Spaß dabei!
http://tcc.itc.it/people/rocchi/fun/europe.html
P.S.: Das Beste ganz zum Schluss: Ich habe eine Zusage der Uni Birmingham für meinen Masterstudiengang! Yay! Das heißt, ab September studiere ich am Shakespeare Institute im malerischen Stratford-upon-Avon und darf mich dann nach einem Jahr hoffentlich „Master of Shakespeare Studies“ schimpfen. Der Himmel weiß, wozu das gut sein mag… Sad FM - easy listening for the over-thirties...16. Februar 2008
Zunächst das Wichtigste: Ein weiterer Valentinstag ist vorüber – und wir leben noch. Oder besser gesagt: ICH lebe noch. Schließlich geht es um das Wichtigste. Als gestandener Single trifft man natürlich mittlerweile seine Vorkehrungen für diesen ätzendsten aller Tage. Sprich: Ganz. Viel. Schokolade. Bei meiner Einkaufsmission zwecks Schoki-Vorratsaufstockung entdeckte ich unter anderem etwas sehr Beunruhigendes: Auf allen Nutella-Gläsern kleben neuerdings Promotion-Aufkleber mit Aufschriften wie „Für die schönsten Stunden zu zweit“. *brech. würg* (Entschuldigung… Es geht gleich wieder.) Also, mal ganz ehrlich. Was für Werbeleute beschäftigen diese Nutella-Fritzen eigentlich? Sehen wir mal davon ab, dass sowohl das Konzept als auch das Design alles andere als originell ist. Was für eine Zielgruppe stellen sich diese Menschen für ihr Produkt vor?? Wenn es ein Produkt gibt, das perfekt auf die Bedürfnisse frustrierter Singles zugeschnitten ist, dann doch wohl Nutella. Oder?! Glückliche Paare brauchen keinen Nutella. Und schon gar nicht am Valentinstag. Wenn doch, will ich gar nicht erst wissen, was sie damit anstellen. Okay, okay. Bevor das hier in eine Hasstirade gegen glückliche Paare ausartet, möchte ich eines klarstellen: Ich hab nichts gegen glückliche Paare. Es freut mich, wenn die Menschen, die mir wichtig sind, mit den Menschen, die sie lieben, glücklich sind. Aber ich habe etwas gegen einen „Feiertag“, an dem man erstens nicht frei bekommt, und der mir zweitens suggeriert, dass das Leben nur lebenswert sei, wenn man es mit seiner besseren Hälfte, tausend roten Rosen und zwanzig überdimensionalen aufblasbaren Herzchenballons verbringt. Obwohl…wo wir sowieso schon bei der Hasstirade sind: Selbst wenn ich eines schönen Tages am 14. Februar eine bessere Hälfte haben sollte, wird mir der Valentinstag wahrscheinlich trotzdem noch auf die Nerven gehen, weil er so extrem auf Heteros zugeschnitten ist. Eure Mission für nächstes Jahr: Findet eine Valentins-Werbekampagne im Fernsehen, im Internet oder in den Printmedien, die nicht (oder nicht ausschließlich) auf Heteros abgestimmt ist. Bin gespannt auf die Ergebnisse… Und damit ihr mich nicht für völlig humorlos haltet, folgt hier mein neuester Valentinskartenfavorit:
Tatsächlich war der Valentinstag dieses Jahr gar nicht mal so schlimm, da ich ihn größtenteils in guter Gesellschaft verbracht habe. War nämlich schon zum zweiten Mal bei der Kollegin Angela zum Mittagessen eingeladen. Die ist nicht nur supernett und arbeitswillig, sondern auch eine sehr gute Köchin, d.h. ich werde im Sommer definitiv als kleines Fettklößchen nach Deutschland zurückgerollt kommen. Zu allem Unglück wohnt Angela auch noch gleich bei mir um die Ecke und wiederholt ständig, dass ich gern jederzeit ohne Einladung zum Essen vorbeikommen kann: „Wie gesagt, Emily: Wir essen sowieso jeden Tag.“ Dieses Mal habe ich außerdem ihren Mann, Marco (Fotografielehrer!) und ihre Söhne, (Francesco: 11 und Marcello: 16) kennengelernt. Als kleines Dankeschön für das wundervolle Mittagessen habe ich anschließend Marcello bei seinen Englischhausaufgaben geholfen. Bemerkenswertes Erlebnis an diesem Tag: Ich habe das erste Mal seit Ewigkeiten (oder das erste Mal überhaupt) ein 16-jähriges männliches Wesen kennengelernt, mit dem man sich supergut unterhalten kann! Nicht, dass ich 16-Jährige nicht als vollwertige Menschen ansehen würde (obwohl man im Lehrerberuf oft stark in diese Versuchung gerät). Aber es ist einfach selten, dass man bei 16-jährigen Jungs nicht ständig das Gespräch selbst anschieben muss und nicht irgendwie permanent das Gefühl hat, dass sie gerade viel lieber mit ihrer Playstation allein wären. Nicht so bei Marcello. Er ist zwar etwas schüchtern, aber irgendwie doch wieder sehr erwachsen und einfach unheimlich nett. Was gibt’s noch Neues? Die liebe Kollegin Angela hat außergewöhnliches organisatorisches Talent bewiesen und arrangiert, dass ich gestern meine Lieblingsklasse nach Rom begleiten durfte und somit eine Stunde in einer meiner am wenigsten geliebten Klassen ausfallen lassen konnte. Strike! Viele Wege führen ja bekanntlich nach Rom. Unserer führte um 7 Uhr morgens (uaagh! Und alle Schüler waren pünktlich da!!!) per Bus von Neapel in die ewige Stadt. Hier eine kurze Reisekostenabrechnung: Busfahrt: 0€. Reiseführerin durchs antike Rom: 0€. Metro: 2€. Mittagessen (inkl. toskanischer Rotwein): 11€. Strahlend blauer Frühlingstag in Rom: unbezahlbar. Hier übrigens Angela und ich vorm Kolosseum:
Natürlich waren die lieben Achtklässler während des Ausflugs etwas überdreht und noch lauter als sonst. Und zweimal Umsteigen mit 60 Schülern mitten in Rom ist auch nicht unbedingt etwas für schwache Nerven. Aber letztendlich hat man sie dann doch irgendwie lieb – und sie mich vielleicht auch ein bisschen J
Andere Neuigkeiten: Für alle, die es noch nicht mitbekommen hatten: Ich bin neuerdings berühmt. Und wahnsinnig wichtig. Damit hat es Folgendes auf sich: An meiner Uni werden jedes Jahr für alle Musik- und Theater-Societies die „Rhoscars“ (Royal Holloway Oscars) verliehen. D.h. jedes Society-Komitee legt fünf Kategorien fest und nominiert jeweils fünf Mitglieder für diese Kategorien. Die Gewinner werden per Internetabstimmung unter den Studenten ermittelt und schließlich gibt’s einen „Black Tie Event“ mit Essen, sehr viel Alkohol und ein paar goldenen Statuen. Letztes Jahr sah das ungefähr so aus: Dieses Jahr war ich also gerade mit der Internetabstimmung für meinen heißgeliebten Chor Absolute Harmony beschäftigt (man darf nämlich noch ein Jahr nach Beendigung des Studiums abstimmen), als ich nach diversen Nominierungen für besten Sänger, beste Sängerin, bestes Arrangement etc. auf die letzte Kategorie stieß: The Emily Oliver Award for Best Harmonian Soll heißen: der Preis für denjenigen, der sich im vergangenen Jahr am meisten für den Chor insgesamt eingesetzt hat. Und sie haben diese Auszeichnung nach mir benannt! Mir fehlen die Worte. Folglich musste ich Taten sprechen lassen und habe mir einen Wochenendflug nach London gebucht: 7.-10. März. Am Freitagabend gibt’s das Frühlingskonzert meines Chors, den Samstag verbringe ich wahrscheinlich mit Mutter, Schwester (evtl. deren Freund) und diversen Freunden in London, und am Sonntagabend werden dann die begehrten Trophäen verliehen. Einerseits freue ich mich tierisch darauf, meine Ex-Mitbewohner und Chorfreunde wiederzusehen. Andererseits mischt sich auch so langsam ein bisschen Angst vor dem Zurückkehren ein. Aber die wird spätestens nach dem dritten Glas Wein verfliegen. Das ist das Tolle an England: Es gibt für jedes Problem eine einfache Lösung – Tee oder Alkohol.
So, ich glaub, für heute reicht’s. Heute Abend gehe ich übrigens wieder mal mit Briten und Amerikanern Pizzaessen. Mittlerweile haben Martina und ich uns so langsam auf das italienische Leben eingependelt und unsere Grenzen ausgetestet: Nie mehr als 3 Espresso pro Tag oder 5 Pizzen pro Woche.
In diesem Sinne…Prost Mahlzeit! |
Falls euch mein Blog-Geschwafel tatsächlich interessiert, hinterlasst mir doch einfach mal einen netten Kommentar oder tragt euch in dieses kleine Gästebuch ein. Ich würd mich freuen
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